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Wieder den Specht im Wald hören

Kassel, 11. Mai 2015. Rund 15 Millionen Menschen in Deutschland sind von Schwerhörigkeit betroffen. Davon weisen etwa eine Million Menschen eine hochgradige Schwerhörigkeit auf, sind also fast taub. Falls die Versorgung mit einem herkömmlichen Hörgerät nicht ausreichend ist, bietet die Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen des Klinikum Kassel die ganze Palette der hörverbessernden Ohrchirurgie an; außerdem die Versorgung mit implantierbaren Hörsystemen und seit kurzem auch mit Cochlea-Implantaten (Innenohr-Prothesen, abgekürzt CI). Diese stellen nach den Worten von Klinikdirektorin Prof. Dr. Ulrike Bockmühl derzeit die einzige Möglichkeit dar, bei stark geschädigtem oder ausgefallenem Innenohr mit Hilfe elektrischer Reizung Hörempfindungen und Sprachverstehen zu ermöglichen – das heißt, das Sinnesorgan „Ohr“ zu ersetzen – und somit die Lebensqualität von hochgradig schwerhörigen oder ertaubten Menschen deutlich zu verbessern.

Im gesunden Ohr gelangt der Schall über den Gehörgang und das Trommelfell ins Mittelohr zu den Gehörknöchelchen, die den Schall auf das flüssigkeitsgefüllte Innenohr (Schnecke, lat. Cochlea) übertragen. Hier sitzen die sogenannten Haarzellen, die die Schwingungen in elektrische Signale umwandeln und diese an den Hörnerv weiterleiten.

Hörstörungen können vielfältige Ursachen haben und sehr verschieden ausgeprägt sein, erläutert Prof. Bockmühl. Manche Hörstörungen lassen sich mit Medikamenten, andere operativ behandeln und wieder andere kann man technisch versorgen. Dabei kommen je nach Art und Ausmaß der Schwerhörigkeit verschiedene apparative Versorgungen in Frage.

Implantierbare Hörsysteme bestehen immer aus zwei Komponenten, dem außen getragenen Sprachprozessor und dem Implantat. Der Prozessor enthält Mikrofon, Batterie und Elektronik. Das Implantat überträgt den Schall. Ein Cochlea-Implantat übernimmt die Funktion der geschädigten Cochlea und der Haarzellen im Innenohr: Der Sprachprozessor außen wandelt den Schall in elektrische Signale, die ins Innenohr übertagen werden. Dort übertragen Elektroden die Signale auf den Hörnerv. Voraussetzung für ein Cochlea-Implantat ist also, dass der Hörnerv intakt und noch stimulierbar ist. Eine weitere, wichtige Voraussetzung ist die Bereitschaft des Patienten, sich mit einem ungewohnten Klang anzufreunden und während der ersten Monate regelmäßig das Hören, insbesondere das Sprachverstehen, zu trainieren.

Das Cochlea Implantat wird in einer rund zweistündigen Operation eingesetzt, die in der Regel mit einem stationären Aufenthalt von drei bis fünf Tagen verbunden ist. Etwa vier Wochen nach der Operation wird der Sprachprozessor aktiviert und im Verlauf mehrerer Termine schrittweise auf die individuelle Wahrnehmung des Patienten angepasst. Dazu programmiert Dr. Guido Reetz, Audiologe in der HNO-Klinik des Klinikum Kassel, den Prozessor individuell mit dem Patienten. Der Erfolg wird hauptsächlich anhand des Sprachverstehens beurteilt. Außerdem testen die Patienten im Alltag, mit welcher Einstellung sie am besten zurechtkommen.

Die Gewöhnungs- und Trainingsdauer dauert mehrere Wochen bis Monate. „Wichtig ist bei Erwachsenen, dass das Gehör erst nach dem Spracherwerb verloren wurde“, erläutert Dr. Reetz. „Je schneller dann die CI-Versorgung erfolgt, desto größer sind die Erfolgsaussichten, weil der Hörnerv noch nicht verkümmert ist.“ Die Rückmeldungen der Patienten, die bisher in Kassel ein Cochlea Implantat erhalten haben, sind durchwegs positiv. „Ich höre wieder den Specht im Wald“, berichtete beispielsweise ein Patient.

Für Menschen mit CI, die sich mit anderen austauschen wollen, gibt es in Kassel die Selbsthilfegruppe Cochlear Implant, mit der die HNO-Klinik des Klinikums in engem Kontakt steht. Gemeinsam informieren sie am Samstag, 13. Juni 2015, ab 10 Uhr im dez-Einkaufszentrum in Kassel über Cochlea-Implantate.

Kontakt HNO-Klinik: Tel. 0561/980-2633, E-Mail: hoerstoerungen@klinikum-kassel.de

Selbsthilfegruppe Cochlear Implant: Marika und Siegfried Zufall,
E-Mail: Zufall@civhrm.de

 
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