> Aktuelles > Presseinformationen > Archiv 2012 > In der Neuroradiologie am Klinikum Kassel ist erst[...]
Kontakt  |  Impressum  |  Datenschutz  |  A  A  A 
 

Neues Verfahren bei Hirn-Aneurysmen

Kassel, 18. Januar 2012. Bis zu achtzehn Prozent der Bevölkerung weisen eine angeborene Schwachstelle in den Hirngefäßen auf, die im Laufe des Lebens zu einer Aussackung (Aneurysma) werden kann. Falls die ausgedünnte Gefäßwand reißt, besteht für den Patienten Lebensgefahr. Um Aneurysmen, die häufig nur zufällig entdeckt werden, unschädlich zu machen, werden oft kleine Platinspiralen (Coils) oder Gefäßstützen (Stents) eingesetzt, je nach Lage der Aussackung ist auch eine Operation möglich oder notwendig. In der Neuroradiologie am Klinikum Kassel ist erstmals ein neues Verfahren angewandt worden, welches weltweit erst seit rund zwei Jahren verfügbar ist: der Einsatz eines Flow-Diverters, einer speziellen Gefäßstütze, welche den Blutfluss am Aneurysma vorbeilenkt, aber andere abführende Blutgefäße weiter versorgt.

Vasiliy Gurinovitsch aus Korbach litt seit längerem unter einem Druckgefühl und Kopfschmerzen hinter dem rechten Auge. Bei einer Kernspintomographie wurde ein 2,5 Zentimeter langes Aneurysma festgestellt. Das Einsetzen von zahlreichen Platinspiralen (Coils) in zwei Sitzungen reichte nicht aus, um das Aneurysma komplett auszuschalten. Es bestand also weiterhin die Gefahr, dass das Gefäß platzt und es zu einer Hirnblutung kommt, oder dass der Druck auf den Sehnerv letztlich zur Erblindung führen würde – bei weiterhin bestehenden Schmerzen. „Da wegen der Lage des Aneurysmas eine Operation nicht in Frage kam, haben wir uns bei dem 51-jährigen Patienten für die neue Technik entschieden“, erläutert Dr. Ralf Siekmann, Direktor der Neuroradiologie im Klinikum Kassel.

Der Flow-Diverter besteht aus dicht gewebten Drähten ähnlich einer Gefäßstütze, allerdings sind die Drähte wesentlich dünner und wesentlich dichter gepackt. Er erhöht den Blutfluss im Trägergefäß und verringert den Fluss (flow) in und aus dem Aneurysma. Gleichzeitig werden aber wichtige, für die Blutversorgung des Gehirnes notwendige Gefäße offen gehalten, die vom Trägergefäß abgehen. Über einen arteriellen Zugang in der Leiste wird der Flow-Diverter mit Hilfe eines dünnen Drahtes (Katheter) über das Aneurysma im Gefäß platziert. Wegen der Länge des Flow-Diverters (2 bis 8 cm) und des geringen Durchmessers des Gefäßes (2 bis 4 mm) ist viel Erfahrung mit neuroradiologischen Eingriffen notwendig, um den Diverter exakt zu platzieren und keine Hirngefäße zu verletzen, was für den Patienten eine Hirnblutung oder einen Schlaganfall bedeuten würde.

Bei Patient Gurinovitsch konnte das Aneurysma durch diesen Eingriff vollständig ausgeschaltet werden. Die Kopfschmerzen sind verschwunden und eine Gefahr der Blutung oder einer Beein-trächtigung des Sehvermögens auf dem Auge ist nicht mehr vorhanden. Er muss jetzt für ein Jahr blutverdünnende Medikamente nehmen, um ein späteres Zusetzen der speziellen Gefäß-stütze (Thrombose) zu verhindern.

In der Neuroradiologie des Klinikum Kassel, die mit 200 interventionellen Eingriffen jährlich zu den größten Zentren in Hessen gehört, sollen in den kommenden Wochen noch fünf weitere Patienten einen solchen Flow-Diverter zur Behandlung eines Hirnaneurysmas erhalten.  „Dieses vielversprechende Verfahren wird bei den Patienten genutzt, die weder operiert noch durch den Einsatz von Coils oder Stents ausreichend behandelt werden können“, erläutert Dr. Siekmann.

 
Leiterin Unternehmens­kommunikation
Ulrike Meyer auf der Heide
Telefon 0561 980-4804
Telefax 0561 980-6870
E-Mail
Pressesprecherin
Gisa Stämm
Telefon 0561 980-4807
Telefax 0561 980-6870
E-Mail
Pressesprecherin
Inga Eisel
Telefon 0561 980-4898
Telefax 0561 980-6870
E-Mail