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Schlaganfalltherapie: Das Blutgerinnsel wegsaugen

Kassel, 30. März 2011. Das Klinikum Kassel bietet ein neues, zusätzliches Verfahren bei der Schlaganfall-Behandlung an. Dabei werden Blutgerinnsel (Thromben), welche im Gehirn ein großes Gefäß verschließen, mit einem sehr kleinen Katheter abgesaugt (intravaskuläre Thrombektomie). Bisher gab es nur die Möglichkeit, das Gerinnsel mit Medikamenten aufzulösen, was jedoch bei großen Thromben nicht ausreichend sein kann.

Um 13.35 Uhr an einem Donnerstag merkte Edith Mager aus Fuldabrück, dass sie auf der linken Seite Arm und Bein nicht mehr bewegen konnte. Ihr Mann alarmierte sofort den Rettungsdienst, welcher die Patientin in die Zentrale Notaufnahme des Klinikums brachte, das über eine Schlaganfall-Spezialstation verfügt („stroke unit“). Die Computertomographie in der Notaufnahme zeigte einen Verschluss der mittleren Hirnarterie – eine der häufigsten Ursachen für einen Schlaganfall –, aber keine Hirnblutung. Die 60-jährige Patientin erhielt sofort ein Medikament zur Auflösung des Blutgerinnsels. Wegen der Länge des Thrombus (1,2 cm) entschieden sich Neurologen und Neuroradiologen jedoch zusätzlich zu einer mechanischen Entfernung. Der Neuroradiologe Dr. Ralf Siekmann führte einen Katheter mit einem Durchmesser von nur 1,3 Millimeter bis zu der verschlossenen Stelle der Hirnarterie und konnte den Thrombus absaugen. Um 16.45 Uhr war das Gefäß wieder durchgängig und Edith Mager konnte danach Arm und Bein wieder bewegen. Dank der engen – fachlichen und räumlichen - Zusammenarbeit aller beteiligten Disziplinen war somit der Auslöser des Schlaganfalls innerhalb von drei Stunden nach dem Ereignis behoben. Nach einer Nacht auf der neurologisch-neurochirurgischen Intensivstation wurde die Patientin auf die Allgemeinstation verlegt, um die Herzrhythmusstörungen zu be-handeln, die als Ursache ihres Schlaganfalls angesehen werden.

„Zeit ist ein ganz entscheidender Faktor bei der Behandlung des Schlaganfalls“, erläutert Prof. Dr. Andreas Ferbert, Direktor der neurologischen Klinik im Klinikum Kassel. Wenn nach Eintreten der Schlaganfallsymptome mehr als sechs Stunden vergangen seien, bis die Therapie einsetze, gebe es in der Regel schon dauerhafte Schädigungen am Hirngewebe. Standardtherapie ist – sofern keine Hirnblutung vorliegt - die Thrombolyse, kurz Lyse genannt, bei welcher der Thrombus im Gehirn mit Hilfe von Medikamenten aufgelöst wird. „Damit können wir bei kleinen Gerinnseln gute Ergebnisse erzielen“, so Prof. Ferbert. „Bei sehr großen Gerinnseln reicht die Lyse jedoch häufig nicht aus, um den Thrombus in kurzer Zeit aufzulösen.“
 
Dafür kommt im Klinikum Kassel nun das Verfahren der intravaskulären Thrombektomie zum Einsatz. „Mit speziellen Kathetern können wir bis in die äußeren Gefäße des Gehirns vordringen“, so Dr. Ralf Siekmann, Chefarzt der Neuroradiologie. Der Katheter wird über die Leistenarterie eingeführt und unter Röntgenkontrolle bis zum Gehirn vorgeschoben. Bei Frau Mager benutzte Dr. Siekmann ein Aspirationssystem, mit dem der Thrombus abgesaugt wird. Alternativ besteht die Möglichkeit, das Gerinnsel mit einer Art Manschette herauszuziehen (so genanntes „retrievable stent-system“).

Über den Mini-Katheter lassen sich aber auch ablösbare Gefäßstützen (Stents) setzen, um Schlaganfällen bei hochgradigen Einengungen vorzubeugen, indem die ursprüngliche Weite des Gefäßes wieder herstellt wird. So konnte Dr. Siekmann bei einer 59-jährigen Patientin in der gleichen Woche eine hochgradige Verengung der mittleren Hirnarterie mit dem Einsatz von drei Stents beseitigen und so den drohenden Verschluss der Arterie an dieser Stelle und weitere Schlaganfälle verhindern. Mit diesen Verfahren kann also in Einzelfällen sowohl bei akuten Schlaganfällen als auch prophylaktisch geholfen werden.

Info Schlaganfall:
In Deutschland ereignen sich etwa 300.000 Schlaganfälle pro Jahr. Der Schlaganfall ist hierzulande, nach Herzinfarkt und Krebs, die dritthäufigste Todesursache und eine der häufigsten Ursachen für Behinderungen. Der Schlaganfall – auch Hirninfarkt oder Apoplexie genannt – macht sich vor allem durch Funktionsstörungen bemerkbar, die von der betroffenen Gehirnregion abhängen. Warnzeichen sind Lähmungserscheinungen, Sprach- und Gefühlsstörungen, Gedächtnisverlust. Bei rund 80 Prozent der Schlaganfallpatienten liegt ein Gefäßverschluss zugrunde, bei etwa 20 Prozent eine Hirnblutung.

 
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