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Hybrid-Eingriffe bei Gefäßerkrankungen

Kassel, 29. Dezember 2010. Es ist gefährlich, denn man fühlt es nicht, man sieht es nicht und es tut nicht weh: das Aortenaneurysma (Aussackungen der Hauptschlagader). Solche Aussackungen oder Erweiterungen an der Aorta im Brust- oder Bauchbereich bleiben oft unentdeckt und im schlimmsten Fall kann das Aneurysma platzen – mit lebensbedrohlichen Folgen. Etliche Patienten werden inzwischen mit minimal-invasiven Verfahren durch Endoprothesen (Gefäßstützen) statt mit einer offenen Operation behandelt. An besonders schwer zugänglichen Stellen, beispielsweise nah am Aortenbogen oder an den Gefäßabzweigungen zu den Nieren, ist dies jedoch nur in enger Zusammenarbeit zwischen Radiologen und Gefäßchirurgen möglich, weil Gefäßabschnitte zunächst verpflanzt werden müssen. Als einziges Krankenhaus der Region bietet das Klinikum Kassel dieses Hybridverfahren an, mittlerweile wurden zehn Patienten damit behandelt.

Mit zunehmendem Lebensalter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Hauptschlagader an einer oder mehreren Stellen ausdehnt. Dies verursacht in der Regel keine Beschwerden, kann allerdings schwerwiegende Folgen haben: Einerseits die Bildung von Blutgerinnseln in der Aussackung (Thromben), die mit dem Blut in kleinere Gefäße geschwemmt werden und diese verstopfen (Embolie), andererseits das Reißen des Gefäßes mit möglicherweise tödlichem Ausgang. Aorten-Aneurysmen werden oft zufällig während einer Computertomographie oder Ultraschalluntersuchung entdeckt. Eine Therapie ist üblicherweise spätestens notwendig, wenn die Aorta ihren Durchmesser verdoppelt hat.

Zur Behandlung wird das erkrankte Gefäßstück durch eine Prothese ersetzt, wobei dies in den vergangenen Jahren immer häufiger minimal-invasiv erfolgt, so Dr. Hans-Jörg Kellner, kommissarischer Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie im Klinikum Kassel. Dabei wird unter Röntgensicht die Prothese über kleine Schnitte in der Leiste durch die Beckengefäße in die Aorta eingeführt und entfaltet sich erst an der vorgesehenen Stelle im Gefäß. Dieses Verfahren ist nach Angaben von Nael Abusalim, Oberarzt der allgemeinen interventionellen Radiologie, schonender für den Patienten und kann auch noch eingesetzt werden, wenn eine offene Operation wegen des Allgemeinzustandes oder zahlreicher weiterer Erkrankungen des Patienten zu risikoreich wäre. Die Patienten verbringen keine oder nur kurze Zeit auf der Intensivstation und können das Krankenhaus nach sieben bis zehn Tagen wieder verlassen.

Dieses Verfahren bietet ein Team des Klinikum Kassel als einziges in der Region auch bei hochkomplexen Erkrankungen an, wenn Gefäße verpflanzt werden müssen, um überhaupt eine Prothese setzen zu können. Dafür kann es mehrere Gründe geben:

Für jeden Patienten entwirft Dr. Kellner mit Bleistift und Papier eine Strategie, in welcher Reihenfolge welches Gefäß verlegt werden muss, damit während des gesamten Eingriffs die ausreichende Durchblutung aller Organe gesichert ist. Anschließend kann Nael Abusalim die vorher ausgemessene Prothese einsetzen.

Mit diesem aufwändigen Hybridverfahren sind bisher zehn Patienten erfolgreich am Klinikum Kassel behandelt worden. Ihnen allen hätte die Mediziner ansonsten nur mit einer offenen Operation helfen können, die wegen Begleiterkrankungen oder zahlreichen vorherigen Operationen jedoch deutlich risikoreicher gewesen wäre. Als ein weiterer Gewinn für die Patienten soll 2011 im Klinikum ein Notfalllager für Aortenprothesen eingerichtet werden, womit sich laut Nael Abusalim bei Notfällen kostbare Zeit gewinnen lässt. Bisher dauert es zwei bis drei Stunden, bis die Prothesen aus einem Notfalllager in Bayern geliefert werden.

Hintergrund:
Ein Aneurysma an der Hauptschlagader ist „keine seltene Angelegenheit“ Die Rate der Neuerkrankungen pro Jahr beträgt ca. 6 Prozent. In den USA sterben jährlich ca. 15000 Menschen an den sekundären Folgen eines Aortenaneurysmas, in Schweden sind es ca. 700 bis 1000 Menschen - meist Männer zwischen 65 und 75 Jahren. Da solche gefährlichen Aussackungen - wenn überhaupt - nur durch Zufall entdeckt werden, halten Dr. Kellner und Nael Abusalim Reihenuntersuchungen für sinnvoll, um Aneurysmen bei Risikogruppen aktiv aufspüren und rechtzeitig behandeln zu können. Mit einem Ultraschall des Bauchraums könne ein Aneurysma problemlos entdeckt werden, bevor es schlimme Folgen habe, so die Ärzte. „Eine solche Untersuchung ist sehr akkurat, nicht invasiv, nicht teuer und würde viele Menschenleben retten“.

 

 

 
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