> Aktuelles > Presseinformationen > Archiv 2010 > Die Krankenpflegeschule des Klinikum Kassel ist di[...]
Kontakt  |  Impressum  |  Datenschutz  |  A  A  A 
 

Von der "Notlösung" zum Bildungszentrum

Kassel, 16. April 2010. Haus 15 auf dem Klinikum-Gelände am Möncheberg: Dort haben in den vergangenen 50 Jahren mehr als 3000 junge Frauen und Männer die menschliche Anatomie und Physiologie studiert, alles über Injektionen, Infusionen sowie verschiedene Pflegetechniken gelernt und über Prüfungsaufgaben geschwitzt. Am heutigen Freitag feiert die Krankenpflegeschule des Klinikum Kassel, die Keimzelle des Bildungszentrums der Gesundheit Nordhessen (GNH), ihr 50-jähriges Bestehen.

„In Kassel steht neue Klinik leer“ titelte die „Bild am Sonntag“ im Juli 1962. Grund: In einem Neubau des damaligen Stadtkrankenhauses, der für sechs Millionen Mark erbaut worden war, konnten nicht alle Abteilungen eröffnet werden, weil es an Schwestern für die Krankenversorgung mangelte. Auf den sich abzeichnenden Personalmangel hatte die Stadt Kassel jedoch bereits mit der Eröffnung der ersten kommunalen Krankenpflegeschule in der Region am 8. April 1960 reagiert, was sich jedoch erst nach einigen Jahren auswirkte. Vor der Gründung waren die Schwestern vom Roten Kreuz und den Diakonissen gestellt worden, die aber den Personalbedarf nicht mehr decken konnten.
 
33 junge Frauen begrüßte 1960 Kassels Oberbürgermeister Dr. Lauritz Lauritzen in der neuen Schule. Sie wurden von der ersten Oberin Irmgard Woytschekowsky betreut und lebten in Doppelzimmern im angeschlossenen Internat. Die Ausbildung umfasste damals nur 400 Stunden Theorie (heute 2100) und auch das sonntägliche Kaffeetrinken mit Frau Oberin war Pflicht, berichtet Volker Pape, seit 2002 Leiter des Bildungszentrums und selbst Absolvent der Krankenpflegeschule. Die ersten Männer legten 1965 ihre Prüfung als Krankenpfleger ab. Als Peter Metz, heute Leiter des Zentralbereichs Bildung und Personalentwicklung bei der GNH, in den 70er Jahren seine Ausbildung absolvierte, waren die Pfleger jedoch weiterhin eine Minderheit und wurden oft noch als „Herr Wärter“ bzw. „Herr Krankenwärter“ angesprochen. Bis heute ist der Pflegeberuf vorwiegend weiblich: Der Anteil der Pflegeschüler beträgt etwa 10 Prozent.

Die Krankenpflegeschule des Klinikums erlebte in den kommenden Jahren einen kontinuierlichen Ausbau. 1964 gab es größere Unterrichtsräume und es begann erstmals die Ausbildung zur Kinderkrankenschwester. Bereits 1969 wurde die Kapazität auf 165 Plätze erweitert. 1983 nahm die Hebammenschule ihre Arbeit und mit einem weiteren Anbau stieg 1985 die Zahl der Ausbildungsplätze auf 240 – die Einrichtung wurde die größte Schule ihrer Art in Hessen. In den 80er Jahren kamen die sozialen Berufe zunehmend in Mode, so dass pro Ausbildungsgang rund 2000 Bewerbungen verzeichnet wurden.

In den fünf Jahrzehnten haben rund 3000 Schülerinnen und Schüler die Krankenpflegeschule durchlaufen, mit den anderen Berufen sind es rund 4000. Etwa zwei Drittel der heutigen Pflegekräfte am Klinikum haben ihre Ausbildung an der unternehmenseigenen Pflegeschule erhalten, schätzt Volker Pape. Noch heute nutzt das Bildungszentrum das erste Schulgebäude, das inzwischen durch neue, moderne Unterrichtsräume ergänzt wurden.

Die Aufgaben der Pflegekräfte haben sich seit Eröffnung der Schule grundlegend gewandelt, wozu unter anderem die enorm gesunkene Verweildauer der Patienten beigetragen habe, berichtet Peter Metz. Patienten mit einem Schenkelhalsbruch mussten damals drei Monate im Streckverband liegen, heute können sie in der Regel nach zehn Tagen das Klinikum verlassen. 1960 lag die durchschnittliche Verweildauer bei fast 29 Tagen, heute sind es 7,1. Mit der sinkenden Verweildauer stieg gleichzeitig der Bedarf an höher qualifizierter Pflege. Waren die Pflegekräfte vor 50 Jahren eher Dienstleister für die Ärzte, sind sie inzwischen eine eigenständige Profession mit zahlreichen Spezialisierungen.

Heute ist das Bildungszentrum der Gesundheit Nordhessen die größte Ausbildungsstätte für Pflegeberufe in Nordhessen und bietet in diesem Bereich allein in Kassel 268 Ausbildungsplätze an (180 Gesundheits- und Krankenpflege, 48 Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, 20 Hebammen, 20 Operationstechnische Assistenz). Hinzu kommen weitere Ausbildungsberufe wie Medizinische Fachangestellt und Kauffrau/-mann im Gesundheitswesen. Insgesamt verfügt die GNH über 376 Ausbildungsplätze in zehn verschiedenen Berufen, die Ausbildungsquote liegt bei 11,75 %. Damit sei die Gesundheit Nordhessen nicht nur einer der größten Arbeitgeber in der Region, sondern auch einer der größten Ausbildungsbetriebe, so Personalvorstand Birgit Dilchert. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten habe das Unternehmen großen Wert darauf gelegt, die Zahl der Ausbildungsplätze beizubehalten.

War man in den Anfängen der Krankenpflegeschule am Klinikum noch froh über jede Bewerbung, verzeichnet das Bildungszentrum der Gesundheit Nordhessen heute nach den Worten seines Leiters Volker Pape eine „gesunde Bewerberlage“. Pro Ausbildungsplatz in der Gesundheit- und Krankenpflege gehen rund zehn Bewerbungen ein, bei der Kindergesundheits- und Krankenpflege sind es 20 und bei den Hebammen 100. „Im Gegensatz zu anderen Einrichtungen, wo die Bewerberzahlen rückläufig sind, können wir uns weiterhin aus einer Vielzahl von Interessierten die geeignetsten Kandidatinnen und Kandidaten auswählen“, so Pape. Als besonderen Vorteil nennt er das große Angebot an Einsatzgebieten, welche die Schülerinnen und Schüler kennenlernen. Im Laufe ihrer Ausbildung nehmen sie Einblick in 15 Bereiche, das ist deutlich mehr, als laut Lehrplan vorgeschrieben. Alle notwendigen Fachrichtungen sind im Unternehmen vertreten, so dass nur in Ausnahmefällen externe Einsätze erfolgen.

Auch die hohe Zahl der Übernahmen macht das Bildungszentrum interessant: In den vergangenen zwei Jahren konnte fast allen Absolventen eine Stelle angeboten werden, zum Teil befristet. Positiv wirken sich nach den Erfahrungen Papes auch die neuen Unterrichtsräume und das gute Schulklima aus.

Die 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bildungszentrums zeichnen nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für Fort- und Weiterbildung verantwortlich. Es ist staatlich anerkannte Weiterbildungsstätte beispielsweise für Intensivpflege und Anästhesie. Die rund 160 Fortbildungen nutzten im vorigen Jahr 3200 interne und externe Beschäftigte aus Gesundheitsberufen.

 

 
Leiterin Unternehmens­kommunikation
Ulrike Meyer auf der Heide
Telefon 0561 980-4804
Telefax 0561 980-6870
E-Mail
Pressesprecherin
Gisa Stämm
Telefon 0561 980-4807
Telefax 0561 980-6870
E-Mail