> Aktuelles > Presseinformationen > Archiv 2009 > Erstmals in Nordhessen ist vorige Woche im Kliniku[...]
Kontakt  |  Impressum  |  Datenschutz  |  A  A  A 
 

Erster Herzklappenersatz per Herzkatheter

Kassel. Erstmals in Nordhessen ist vorige Woche im Klinikum Kassel eine Herzklappe mittels Herzkatheter ersetzt worden. Damit konnten die Beschwerden des 82-Jährigen Patienten ohne eine operative Öffnung des Brustkorbs behoben werden, berichtet Prof. Dr. Rainer Gradaus, Direktor der Medizinischen Klinik II – Kardiologie und Intensivmedizin – des Klinikums. Patient Emil Claus aus Fuldatal-Ihringshausen kann das Krankenhaus der Maximalversorgung sechs Tage nach dem Eingriff verlassen und ist rundum zufrieden: „Das ist quasi ein Weihnachtsgeschenk für mich.“

Die Aortenklappe ist die Herzklappe, die zwischen der pumpenden linken Herzkammer und der Körperschlagader, der Aorta, als Ventil arbeitet. Die Einengung (Stenose) der Aortenklappe ist heutzutage eine Erkrankung des höheren Lebensalters, die im wesentlichen durch Verschleiß und Degeneration der Aortenklappe verursacht wird. Sie äußert sich unter anderem durch Atemnot, Leistungsminderung und ein Gefühl der Brustenge (Angina pectoris), im fortgeschrittenen Stadium auch durch Wassereinlagerungen in der Lunge.

Die Therapie der Wahl für eine hochgradige Aortenklappenstenose stellt für die meisten Patienten die offene Herzoperation mit Ersatz der eigenen Aortenklappe durch eine Kunstprothese oder eine biologische Prothese dar. Dieses erfolgte erstmals im Jahr 1960. Seitdem haben sich sowohl die chirurgischen Techniken als auch die Narkoseverfahren verfeinert, so dass heutzutage auch hochbetagte Patienten mit einer geringen operativen Sterblichkeit operiert werden können. Die Operation an der Aortenklappe weist unter allen Herzoperation bei Patienten mit hohem Lebensalter die geringste Sterblichkeit auf. Es hat sich allerdings in einer europäischen Analyse gezeigt, dass von Patienten, die wegen einer Klappenerkrankung operiert werden müssten, bis zu einem Drittel auf Grund von Begleiterkrankungen nicht operiert werden können. Die Prognose der rein medikamentösen Behandlung einer Aortenklappenverengung ist jedoch ausgesprochen ungünstig.

Seit Anfang der 90er Jahre wurde daher am Ersatz der Aortenklappe durch einen Herzkatheter ohne Öffnung des Brustkorb geforscht. Im Jahre 2002 konnte erstmals der Franzose Alan Cribier eine Aortenklappe mittels eines Herzkatheters (perkutaner Aortenklappenersatz) implantieren. In Deutschland erfolgte der erste Ersatz einer Aortenklappe durch einen Herzkatheter im Jahre 2005.

Trotz weiterer technischer Entwicklungen ist der Ersatz einer Aortenklappe mittels Herzkatheter mit vielen möglichen Komplikationen verbunden. Die dafür benötigten steifen Führungskatheter können zu lebensgefährlichen Verletzungen des Herzens und die großen Herzkatheter zu schweren Gefäßverletzungen führen. Daher ist der operative Ersatz einer Aortenklappe unverändert die bevorzugte Therapie bei Patienten mit einer Aortenklappenstenose. „Bei Patienten mit erheblichen Begleiterkrankungen sowie fortgeschrittenem Alter und hierdurch bedingt sehr hohem operativen Risiko zu versterben ist allerdings der Ersatz der Aortenklappe per Herzkatheter eine Alternative“, so Prof. Gradaus.

Daraus ergibt sich, dass die Entscheidung zu einem Aortenklappenersatz mittels Operation oder mittels Herzkatheter nicht von einer einzelnen Fachgruppe, sondern von einem Expertenteam zu treffen ist. Prof. Gradaus: „Jeder Patient wird vor der Entscheidung in einer kardiologisch-herzchirurgischen Konferenz gemeinsam mit Dr. Hermann Sons, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, sowie seinen Oberärzten und den Kollegen der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie unter Leitung von Prof. Dr. Michael Tryba, besprochen.“ Auch der Ersatz der Aortenklappe mittels eines Herzkatheters ist eine Teamleistung. Neben Prof. Dr. Gradaus und Dr. Wolfgang Schöbel, Oberarzt der Kardiologie, waren Dr. Bassam Basti, Oberarzt der Herzchirurgie, und Dr. Uwe Langebrake, Oberarzt der Anästhesie, am perkutanen Aortenklappenersatz beteiligt. Prof. Gradaus: „Ebenso wichtig wie die ärztlichen Kollegen sind die Mitarbeiter im Herzkatheterlabor. Karsten Lesch und Naser Mehmedi aus dem Herzkatheterlabor waren für die Montage der Herzklappe geschult worden und während der Implantation dafür verantwortlich.“

 
Leiterin Unternehmens­kommunikation
Ulrike Meyer auf der Heide
Telefon 0561 980-4804
Telefax 0561 980-6870
E-Mail
Pressesprecherin
Gisa Stämm
Telefon 0561 980-4807
Telefax 0561 980-6870
E-Mail
Pressesprecherin
Inga Eisel
Telefon 0561 980-4898
Telefax 0561 980-6870
E-Mail