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Mobile Hilfe für schwerstkranke Patienten

Kassel. Im Klinikum Kassel ist ein überregionales ECMO-Zentrum für die Behandlung schwerst herz- und/oder lungenkranker Patientinnen und Patienten aufgebaut worden. ECMO steht für ein komplexes Behandlungsverfahren in der Intensivmedizin, bei dem Herz und/oder Lunge mit Hilfe mechanischer Systeme von außen unterstützt werden. Im vorigen Jahr kam das ECMO-System bei rund 75 Patienten zum Einsatz. Rund ein Drittel von ihnen war mit Hilfe eines mobilen ECMO-Gerätes und in Zusammenarbeit mit dem DRK-Rettungsdienst aus anderen Kliniken an das einzige nordhessische Krankenhaus der Maximalversorgung verlegt worden. Eine Besonderheit ist, dass das Kasseler ECMO-Zentrum sowohl Patienten mit Herz- als auch mit Lungenversagen versorgen kann, da es sich um eine gemeinsame Einrichtung der Klinik für Herzchirurgie und der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie handelt.

ECMO steht für Extrakorporale Membranoxygenierung und bezeichnet ein komplexes technisches Verfahren zur vorübergehenden Unterstützung von Herz und Lunge. „Für Patienten mit schwerem Lungenversagen und/oder schwerem Herz-Kreislaufversagen, das mit Medikamenten oder anderen Maßnahmen nicht beherrschbar ist, kann ein ECMO-Gerät lebensrettend sein“, erläutert Prof. Dr. Ralf M. Muellenbach, Direktor der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Schmerztherapie. Dabei werde mit Hilfe eines speziellen Kanülen- und Schlauchsystems das sauerstoffarme Blut des Patienten über eine Membran geleitet, dort mit Sauerstoff angereichert und anschließend wieder in den Blutkreislauf des Patienten zurückgeführt. Die Geräte können bis zu sieben Liter Blut pro Minute mit Sauerstoff beladen und wieder in den Patientenkörper pumpen. Das entspricht in etwa der maximalen Leistung eines funktionierenden menschlichen Herzens und kann einem weiteren Versagen weiterer lebenswichtiger Organe wie Niere oder Leber vorbeugen. Mittels ECMO kann in vielen Fällen eine Überbrückung bis zur Wiederherstellung der eigenen Herz- und/oder Lungenfunktion des Patienten erreicht werden („Bridge to recovery“).

Von Lungen- und Herzversagen können lebensbedrohlich kranke Patienten nach einem großen Herzinfarkt, mit Herzkreislaufschock, akuter Herzmuskelentzündung, schwerer Lungenembolie, mit Vergiftungen, Unterkühlungen, schweren pulmonalen Infekten sowie nach schweren Unfällen betroffen sein. Privat-Dozent Dr. Ali Asghar Peivandi, Direktor der Klinik für Herzchirurgie im Klinikum, nennt das Beispiel eines jungen Mannes, der sich wegen eines vermutlich verschleppten Infekts eine Herzmuskelentzündung zugezogen hatte und an der Arbeit durch ein Herzversagen zusammengebrochen war. Kollegen und Rettungsassistenten reanimierten ihn, dann stabilisierten ihn die Experten des Klinikums fünf Tage mit Hilfe des ECMO-Verfahrens. „Er hat sich komplett erholt“, freut sich Dr. Peivandi. „Ohne ECMO hätte er nicht überlebt.“

Auf Initiative von Dr. Peivandi hatte das Klinikum Kassel 2011 die erste tragbare Mini-Herz-Lungen-Maschine angeschafft. Stationäre Geräte wurden damals bei Bedarf von den Herstellern geliehen. Inzwischen stehen dem ECMO-Zentrum vier stationäre und ein mobiles Gerät zur Verfügung, weitere sollen folgen. Der Bedarf lässt sich mit Zahlen belegen: 2015 wurden im Klinikum rund 45 Patienten mit dem ECMO-Verfahren behandelt, 2016 waren es 75. Mit Prof. Dr. Muellenbach, der seit Oktober 2016 in Kassel tätig ist und an seiner vorherigen Wirkungsstätte die Arbeitsgruppe extrakorporale Herz- und Lungenersatzverfahren geleitet hat, konnte das ECMO-Team um einen weiteren Experten verstärkt werden. „ECMO ist ein sehr invasives und technisch aufwändiges Verfahren, so dass ein speziell geschultes und erfahrenes Team aus Ärzten, Pflegekräften und Kardiotechnikern für die erfolgreiche Anwendung der Technik benötigt wird“, so Prof. Muellenbach.

Das gilt auch für den Rettungsdienst: „In Zusammenarbeit mit dem Klinikum haben wir alle 14 Rettungsassistenten, die auf dem Intensivmobil eingesetzt werden, zum Thema ECMO geschult“, berichtet Stephan Moritz, Leiter des Rettungsdienstes Kassel beim Deutschen Roten Kreuz. „Mit dem Intensivmobil und einem Pkw, der von ehrenamtlichen Helfern gefahren wird, stellen wir die Transportlogistik für Fachpersonal und Geräte, um schwerstkranke Patienten sicher zu verlegen.“
So können gemeinsam mit einem Expertenteam des Klinikums Patienten mit lebensbedrohlichem Herz- und Lungenversagen, die ansonsten nicht transportfähig wären, aus anderen Krankenhäusern mittels Rettungswagen oder Hubschrauber ins Klinikum verlegt werden. In bestimmten Fällen könnten Patienten sogar außerhalb eines Krankenhauses an ein mobiles ECMO-Gerät angeschlossen werden. Im Klinikum Kassel sind rund um die Uhr zwei Notfalltelefone besetzt, um bei lebensbedrohlichem Herz- und Lungenversagen Patienten gegebenenfalls auch kurzfristig mit Hilfe der transportablen ECMO-Einheit ins Klinikum zu holen. „Mit diesem Netzwerk, das wir weiter ausbauen wollen, können wir die Überlebenschancen von Patienten mit schwerem Herz-Kreislauf und Lungenversagen in Nordhessen und darüber hinaus erheblich verbessern“, so PD Dr. Peivandi. 
 

 
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