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Kniegelenk | 1.3. Arthroskopischer Kreuzbandersatz

Das vordere Kreuzband sichert den Unterschenkel gegen die Verschiebung nach vorne und ist einer der wichtigsten Stabilisatoren des Kniegelenkes. Das vordere Kreuzband hat nach Zerreißung schlechte Heilungseigenschaften. In nur wenigen Fällen verbleibt nach einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes eine ausreichende Stabilität. Langfristig führt ein instabiles Kniegelenk zum Gelenkverschleiß (Arthrose). Aus diesem Grunde ist es sinnvoll, ein gerissenes Kreuzband operativ zu ersetzen.

Ältere Patienten, die ein geringes Aktivitätsniveau haben, haben nur ein sehr niedriges Risiko, nach einem Kreuzbandriss eine Arthrose zu erleiden. In diesen Fällen sollte konservativ behandelt werden. Unter krankengymnastischer Anleitung sollten Kräftigungs- und Koordinationsübungen durchgeführt werden. Als Therapie der Wahl beim aktiven Patienten gilt heute der arthroskopische Kreuzbandersatz mit einem körpereigenen Sehnentransplantat. Die arthroskopische Technik erlaubt ein präzises und schonendes Operieren. Der Patient hat nach der Operation deutlich weniger Probleme als nach einer offenen Operation mit einer deutlich verkürzten Nachbehandlungszeit. Die arthroskopische Kreuzbandersatzplastik wird in unserer Klinik im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes (2-5 Tage) durchgeführt.

Als Kreuzbandtransplantat eignen sich im wesentlichen zwei verschiedene Sehnen: Die Kniescheibensehne (Patellarsehne) oder die Beugesehnen (Semitendinosus- und Gracilis-Sehne). Vorteil der Patellarsehne ist, dass sie über Knochenblöcke sehr stabil im Knochen verankert werden kann. Erfahrungen der Vergangenheit haben jedoch gezeigt, dass die Patienten nach der Operation häufig Probleme entwickeln, die auf die Entnahme der Patellarsehne zurückzuführen sind.

Es wurden Verfahren entwickelt, die es ermöglichen, auch Semitendinosus-sehnentransplantate so stabil wie ein Patellarehnentransplantat im Knochen zu verankern. Da nach Entnahme der Semitendinosussehne deutlich weniger Probleme auftreten als nach Entnahme der Patellarsehne, ist die Semitendinuosussehne heute unser Sehnentransplantat der Wahl. Das Sehnentransplantat wird über einen 3-4cm langen Hautschnitt entnommen, unter arthroskopischer Kontrolle über einen Bohrkanal im Unterschenkelknochen in das Gelenk gezogen und dann in einem weiteren Bohrkanal im Oberschenkelknochen verankert. Das Sehnentransplantat wird mit Schrauben oder Stiften so fest im Knochenkanal verklemmt, dass es nicht herausrutschen kann. Dabei kommen nur biologisch-abbaubare Materialien zum Einsatz.

Die Stifte oder Schrauben bestehen aus Zuckerverbindungen, die langsam mit der Zeit vom Körper abgebaut werden können. Aus diesem Grunde ist eine Entfernung der Schrauben nicht notwendig. Typische Begleitverletzungen einer Kreuzbandruptur sind der Meniskusriss, die Seitenbandruptur oder der Knorpelschaden. Diese Begleitverletzungen müssen zusätzlich behandelt werden. Seitenbandrisse kommen in der Regel ohne operative Maßnahme zur Ausheilung.

Einen abgerissenen Meniskus versuchen wir wieder anzunähen. Bei Knorpelschäden kommen verschiedene Maßnahmen in Betracht: Mikrofrakturierung, Knorpel-Transplantation, Knorpelzelltransplantation. Bei zusätzlichem O-Bein sollte dieses operativ begradigt werden. Die Nachbehandlung ist für das Ergebnis nach einer Kreuzbandersatzplastik von größter Wichtigkeit.

Unser Nachbehandlungsschema für eine isolierte Kreuzbandruptur erhalten Sie auf einem gesonderten Therapiebogen. In der ersten Woche nach der Operation haben wir das Ziel, das gereizte Kniegelenk zu beruhigen. Eisanwendungen, Ruhe und Hochlagerung sind geeignete Maßnahmen dieses Ziel zu erreichen. Direkt nach der Operation wird das Bein in einer Schiene gelagert. Da die Schonung jedoch dazu führt, dass die Muskelkraft des Oberschenkelstreckmuskels (Quadriceps) deutlich nachlässt, soll bereits in dieser Phase mit Anspannungsübungen für die Muskulatur begonnen werden. Es ist wichtig, dass die Übungen unter Anleitung eines erfahrenen Krankengymnasten durchgeführt werden.

Direkt am ersten postoperativen Tag darf das operierte Bein mit einer Belastung von 20 Kg Teilkörpergewicht auftreten. Bei reizfreiem Knie (wenig Schwellung) sollte die Belastungsintensität nach der ersten postoperativen Woche im schmerzfreien Bereich so gesteigert werden, dass die Vollbelastung nach ca. 2 Wochen erreicht ist. Auf diese Weise wird frühzeitig ein normales Gangbild erreicht. Eine Orthese ist in der Regel nicht erforderlich. Die krankengymnastischen Übungsbehandlungen in der postoperativen Phase haben das Ziel, den Rückgang der Muskelkraft und eine Einsteifung des Kniegelenkes zu verhindern. Da bestimmte Übungsformen jedoch hohe Kräfte im Transplantat hervorrufen können und auf diese Weise das Transplantat erheblich schädigen ist es wichtig, dass der Physiotherapeut sich sehr gut mit der Behandlung von Kniebandläsionen auskennt.

Übungen am "Beincurler" können z.B. zu einer Ruptur des Transplantates führen. In der späten Rehabilitationsphase steht die Wiedererlangung der koordinativen Fähigkeiten im Vordergrund. Normalbefunde nach der Operation sind vorübergehende Gefühlsstörungen am Unterschenkel (Normalisierung nach 2-8 Wochen), Schwellung und milde Überwärmung des Kniegelenkes, starke Abnahme der Oberschenkelmuskelkraft. Die Wiedereingliederung in sportliche Tätigkeiten sollte schrittweise erfolgen.

Unter medizinischen Gesichtspunkten sollte der Wettkampfsport nicht vor Ablauf des ersten postoperativen Jahres beginnen. Voraussetzung für die Wiederaufnahme von Risikosportarten ist eine freie Beweglichkeit, die Wiedererlangung der Muskelkraft und Koordination. Solange eine Schiene getragen wird und das Bein nicht voll belastet wird, sollte auf das Autofahren verzichtet werden. Leichte Arbeiten (Sitzen in der Schule) können schon nach 10-20 Tagen wiederaufgenommen werden.

All zu lange Gehstrecken sollten jedoch gerade in der Frühphase vermieden werden. Mittelschwere Arbeiten können nach 4-8 Wochen aufgenommen werden. Vor der Wiederaufnahme schwerer körperlicher Arbeit sollte Ihr Arzt kontaktiert werden. Arbeitsausfälle bis zu 6 Monaten sind möglich.

Notfall
 


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