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Neues Verfahren in der Brustkrebstherapie

Kassel, 21. Januar 2015. Weltweit wird derzeit nur in wenigen Zentren bei der Behandlung von Brustkrebs-Patientinnen eine noch relativ neue Bestrahlungstechnik eingesetzt, durch die die herkömmliche, meist über sechs Wochen dauernde, belastende Bestrahlung verkürzt und damit verringert oder in bestimmten Fällen sogar ganz entfallen kann. Das rund 500.000 Euro teure Gerät für diese sogenannte „Intraoperative Strahlentherapie“ (IORT) steht jetzt auch dem Interdisziplinären Brustzentrum (IBZ) im Klinikum Kassel zur Verfügung. „Wir sind froh, dass wir über eine so hoch innovative Technik verfügen und damit auch für eine enorme psychische und physische Entlastung unserer Patientinnen sorgen können“, sagt Prof. Dr. Thomas Dimpfl, Direktor der Frauenklinik und Leiter des IBZ am Klinikum Kassel. Es gebe zudem Hinweise, dass durch die IORT das Lokalrezidiv-Risiko (also die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Umfeld des „alten“ Tumors ein neuer Tumor bildet) gegenüber der herkömmlichen Bestrahlung gesenkt werden kann.

 
Bei der Brust-Operation wird der Tumor entfernt – und sicherheitshalber auch der Rand des angrenzenden gesunden Gewebes. Um so weit wie möglich auszuschließen, dass sich einzelne möglicherweise zurückgebliebene, nicht sichtbare Zellen zu einem neuen Tumor entwickeln können, schließt sich üblicherweise eine Strahlentherapie an. Bei dieser herkömmlichen Bestrahlung wird die Brust der betroffenen Patientinnen in der Regel über sechs bis sieben Wochen lang täglich (außer an Wochenenden) von außen bestrahlt. Auf die Stelle, wo der Tumor herausgenommen wurde, wird meist eine zusätzliche, konzentrierte Strahlendosis (Boost) gelenkt.
 
Bei der intraoperativen Strahlentherapie wird schon während der Operation auf das sogenannte Tumorbett (die Region, wo der Tumor entnommen wurde) eine sehr hohe Einmaldosis eingestrahlt: Sobald der Tumor operativ entfernt wurde, wird ein kugelförmiger Applikator in der Wundhöhle platziert, mit dem zielgerichtet der relevante Bereich hochdosiert bestrahlt werden kann. „Wir können auf diese Weise sehr schnell – schon während der OP – das Gewebe ganz präzise in der Wundhöhle bestrahlen“, so Prof. Dimpfl. Ein weiterer Vorteil: „Da bei der IORT nicht nur sehr gezielt, sondern mit niedrigenergetischen Röntgenstrahlen bestrahlt werden kann, ist die Strahlenbelastung des umgebenden, gesunden Gewebes, insbesondere in Lunge, Herz und gesunder Brust, deutlich geringer.“
 
Die Bestrahlung dauert zwischen 20 und 40 Minuten. Danach kann in vielen Fällen die herkömmliche, für die Patientinnen belastende Bestrahlung um knapp zwei Wochen verkürzt werden. In bestimmten Fällen kann nach der einmaligen IORT-Bestrahlung komplett auf eine weitere Strahlentherapie verzichtet werden. Dies gilt laut Prof. Dimpfl derzeit allerdings nur für ältere Patientinnen mit einzelnen Tumorherden in frühen Stadien bzw. für über 50-Jährige mit einem frühen Brustkrebs, sofern sie im Rahmen einer klinischen Studie behandelt werden können. „Wir sind an einer solchen Studie beteiligt“, bestätigt Prof. Dimpfl.
 

In einer ersten Studie („TARGIT A“) war in über 30 Zentren in neun Ländern untersucht worden, ob die einmalige IORT-Strahlenbehandlung direkt am Tumorbett ebenso einen Rückfall in der betroffenen Brust verhindert wie die übliche mehrwöchige Bestrahlung von außen. „Die Ergebnisse belegen, dass die Rückfallquote nach Anwendung der IORT mit etwa zwei Prozent nicht höher ist als nach der herkömmlichen Standard-Strahlentherapie, die sich über Wochen hinzieht“, bestätigt Prof. Dimpfl. Mit Blick auf die bisher vorliegenden Daten geht er zudem davon aus, dass Dank der IORT der Körper der Patientinnen insgesamt weniger belastet wird.

 
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