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Modernste Stents: Gefäßstütze löst sich auf

Kassel, 3. Juli 2013. Das Klinikum Kassel ist das erste Krankenhaus in Nordhessen, das Gefäßstützen (Stents) der jüngsten Generation einsetzen darf. Diese resorbierbaren Stents lösen sich innerhalb von zwei bis drei Jahren vollständig auf, so dass kein Fremdkörper im Gefäßsystem des Patienten bleibt, welcher die Beweglichkeit des Gefäßbereiches einschränkt.

Stellt man bei einer diagnostischen Herzkatheteruntersuchung eine relevante Einengung (Stenose) einer Herzkranzarterie fest, erfolgt in der Regel bei der gleichen Untersuchung eine Herzkatheterintervention. Dabei handelt es sich um die Aufdehnung des Gefäßes mit Hilfe eines Ballons (Ballondilatation, PTCA) gefolgt vom Einsetzen eines Stents im Bereich der verengten Herzkranzarterie, erläutert Prof. Dr. Rainer Gradaus, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen im Klinikum Kassel. Dazu wird der Dilatationsballon an der betroffenen Gefäßstelle mit hohem Druck aufgeblasen und dehnt sich so auf einen Durchmesser von 2 bis 4 Millimeter auf - je nach Größe des Gefäßes. In der Regel wird anschließend ein Stent implantiert. Der Stent ist ein Gitter aus einer Metalllegierung, das auf dem leeren Ballon montiert ist und sich beim Aufblasen mit dem Ballon entfaltet. Der Stent verbleibt in der Einengung und verhindert, dass das Gefäß wieder "zusammenschnurrt", wenn der Ballon herausgezogen ist.

Die ersten Stents waren reine Metall-Stents, so genannte Bare-metal Stents. Diese haben den Nachteil, dass es bei einem Teil der Patienten durch eine überschießende Wundheilung der Gefäßwand zu Wiedereinengungen in dem mit einem Stent versorgten Bereich kommt. Daher wurden Stents entwickelt, die ein Medikament abgeben, dass diese überschießende Wundheilung weitgehend unterbindet. Diese Drug-eluting Stents (DES) werden in der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen des Klinikum Kassel zu ca. 75 Prozent eingesetzt. Die modernen Drug-eluting Stents haben jedoch den Nachteil, dass eine verlängerte Blutverdünnung mit Medikamenten im Vergleich zu Bare-metal Stents notwendig ist. Daher werden bei Patienten mit einem erhöhten Blutungsrisiko oder bereits bestehender Notwendigkeit zu einer Blutverdünnung – beispielsweise bei einer künstlichen Herzklappe oder Vorhofflimmern – weiterhin Bare-metal Stents eingesetzt.

Ein wesentlicher Nachteil aller bisherigen Stents ist jedoch, dass nach Einwachsen und Abheilung in dem zuvor eingeengten Gefäßsegment lebenslang ein Stentgerüst und somit ein Fremdkörper verbleibt. Dadurch ist die Beweglichkeit in diesem Gefäßbereich verringert. Zudem kann in diesem Gefäßsegment – wenn es später notwendig werden sollte – kein Bypass-Gefäß angeschlossen werden. Die aktuelle Entwicklung in der Stenttechnologie ist es daher, Gefäßstützen zu verwenden, die Medikamente abgeben wie die Drug-eluting Stents, deren Stentstreben sich jedoch innerhalb von zwei bis drei Jahren komplett auflösen. Sie stabilisieren die Gefäßwand also nur so lange, bis die Verletzung verheilt ist. Um diesen Effekt zu erreichen, werden die Stents aus Milchsäure-Kristallen hergestellt, die nach rund zwei bis drei Jahren zu Wasser und Kohlendioxid zerfallen. Erste Studien mit diesen neuen Stents haben sehr vielversprechende Ergebnisse gezeigt, so Prof. Gradaus. Die Kardiologen im Klinikum Kassel dürfen als erste Einrichtung in Nordhessen diese modernen „komplett bioresorbierbaren DE-Stents“ einsetzen. Sie kommen nach Angaben des Klinikdirektors insbesondere für Patienten in Frage, bei denen im Bereich der geplanten Stentimplantation keine Gefäßaufzweigungen mit Seitenästen bestehen und das Gefäßsegment nicht zu stark verkalkt ist. Zudem gibt es diese Stents vorerst nur in bestimmten Größen, so dass hierdurch die Anwendung für alle Patienten derzeit noch begrenzt ist.

 

 
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