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Europäisches bilinguales 5-jähriges Medizinstudium startet 2013

Kassel, 28. November 2012. Der erste deutsch-englische Humanmedizin-Studiengang beginnt im Herbst 2013. Die Kassel School of Medicine (KSM), eine Kooperation der Gesundheit Nordhessen Holding AG mit der University of Southampton, hat mit der Verabschiedung des Curriculums Ende Oktober in Southampton eine wesentliche Hürde vor der Aufnahme des ersten Studentenjahrgangs genommen. Der Lehrplan für den fünfjährigen Bachelor of Medicine an der KSM, kurz BM(EU), deckt sowohl Inhalte des Gegenstandskatalogs des deutschen Medizinstudiums als auch Ziele des modernen Tomorrow‘s Doctors Konzept und der englischen Ausbildungstradition ab.

„Die Zusammenarbeit mit der University of Southampton eröffnet der Gesundheit Nordhessen die Möglichkeit, engagierte und überdurchschnittlich begabte Abiturienten auf hohem Niveau und mit großem Praxisbezug selbst zu Ärzten auszubilden. Wir verbinden damit die Erwartung, motivierte junge Nachwuchsärzte über den Abschluss hinaus für das Unternehmen zu gewinnen und bieten ihnen eine Ausbildung vom Medizinstudenten zum Facharzt aus einem Guss“, sagt Dr. Gerhard M. Sontheimer, Vorstandsvorsitzender der Gesundheit Nordhessen Holding AG und Geschäftsführer der Kassel School of Medicine gGmbH.

Die ersten 24 Studenten beginnen im September 2013 mit dem BM(EU)-Programm. Sie verbringen zwei Jahre an der University of Southampton und weitere drei Jahre am Standort der KSM in Nordhessen. Zusätzlich wird es in beiden Phasen Ausbildungsblöcke beim jeweils anderen Partner geben.

Die Qualität der Ausbildung und den Lernerfolg der KSM-Studenten überprüft die University of Southampton fortwährend. Ab dem dritten Studienjahr finden zusätzlich zum Unterricht in Kassel auch wöchentlich gemeinsame Unterrichtsveranstaltungen mit den englischen Kommilitonen und ihren Tutoren mit Hilfe von Telekonferenztechniken statt.

Im Mai 2013 wird das Bewerbungsverfahren für die Kassel School of Medicine eröffnet. „Unsere Studenten müssen dieselben hohen Anforderungen erfüllen, die die University of Southampton bei ihren Studenten voraussetzt“, erläutert Dr. Christian Unzicker, verantwortlicher Projektleiter der KSM. Dazu zählen voraussichtlich eine Abiturnote von 1,6, eine Naturwissenschaft als Leistungsfach bzw. Prüfungsfach im Abitur und gute Englischkenntnisse. „Darüber hinaus er-warten wir, anders als in England üblich, ein mindestens achtwöchiges Pflegepraktikum sowie gutes Abschneiden im Medizinertest“, sagt Dr. Unzicker.  Im Juli 2013 finden die Auswahlgespräche statt, im August wird die Bewerbungsphase abgeschlossen sein.

Die KSM erhebt Studienbeiträge in Höhe von 12.000 Euro jährlich. Das entspricht in etwa den Beiträgen die auch alle Medizinstudenten der University of Southampton zahlen. „Wir bereiten aktuell Finanzierungsmodelle für unsere Studenten vor, die zum Ziel haben, dass jeder, der das Auswahlverfahren besteht, sein Studium auch bezahlen kann“, sagt der organisatorische Leiter.

Die ersten Studenten werden im Herbst 2013 ihr Studium an der Kassel School of Medicine aufnehmen. Die Medizinstudenten absolvieren dann zunächst in Southampton den ersten Ausbildungsabschnitt, der die wissenschaftlich-fachliche Basis für ihre spätere klinische Tätigkeit legt.

In einem modular aufgebauten Lehrplan wird organbezogen unterrichtet. Dies beinhaltet die Fächer Biochemie, Anatomie, Physiologie und die Grundlagenwissenschaften. Ein wesentlicher Unterschied zum traditionellen deutschen Medizinstudium ist, dass diese Fächer in England nicht separat, sondern von Beginn an organbezogen, zum Beispiel als Modul „Nervensystem und Bewegungsapparat“, und am praktischen Beispiel gelehrt werden.

Auch der patientennahe Unterricht ist bereits in dieser Phase Teil des Lehrplanes. Das Gespräch mit Patienten und das richtige Verhalten ihnen gegenüber soll den angehenden Ärzten so schon früh zur Selbstverständlichkeit werden. Prof. Dr. Irina Berger, Chefärztin des Institutes für Pathologie am Klinikum Kassel und an der KSM Beauftragte für moderne Lehrmethoden berichtet: „Frontal-Unterricht ist in unserem deutsch-englischen Studium der Ausnahmefall und nur zur allgemeinen Einführung gedacht. Das modulare Lehrkonzept in Kleingruppen eignet sich für effektives Lernen viel besser“, so die Pathologin weiter.

Der Übergang in die klinischen Themenfelder erfolgt mit dem Umzug nach Kassel im dritten Studienjahr. Die Studierenden erhalten die Gelegenheit, ihr bislang erworbenes Wissen, von den Kasseler Dozenten angeleitet, in praktische Erfahrung am Krankenbett umzusetzen. Sie lernen den deutschen Klinikbetrieb sowohl beim Maximalversorger Klinikum Kassel als auch an den grundversorgenden Krankenhäusern der Gesundheit Nordhessen kennen.

„Um Unterschieden in der Patientenversorgung zwischen dem deutschen Gesundheitssystem und dem National Heath Service (NHS) in England Rechnung zu tragen, werden im Studium gezielt Unterschiede in der klinischen Versorgung und bei gesundheitsökonomischen Fragestellungen adressiert“, erläutert Prof. Berger. Diese Themen werden auch einen Teil der wissenschaftlichen Projekte im dritten Ausbildungsjahr begleiten. „Neben einer guten klinischen Ausbildung ist auch eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung unserer Studenten Bestandteil des neuen Curriculums in Kassel. Daher ist zusätzlich zu dem Erwerb des akademischen Grades eines Bachelor of Medicine, dem englischen Studienabschluss in Medizin, auch der Erwerb eines Bachelor of Medical Sciences, integraler Bestandteil unserer Ausbildung“, sagt Dr. Sontheimer.

Die letzten beiden Studienjahre in Kassel gehören der Vertiefung der klinischen Ausbildung der KSM-Studenten. In achtwöchigen Blöcken erweitern sie ihr Wissen in speziellen medizinischen Fachgebieten wie Gynäkologie, Chirurgie und Psychiatrie. Die einzelnen Lernblöcke beginnen jeweils mit einer Einführungswoche und gehen dann mit der Integration in die praktische klinische Arbeit, begleitet von interdisziplinären Seminaren und Kleingruppenunterricht, über. Die Studenten sollen als Bestandteil des Behandlungsteams, angeleitet von zukünftigen Kollegen und Ausbildern, lernen, ihr theoretisches Wissen anzuwenden.

Nach fünf Jahren Studium, im Jahr 2018, werden die ersten KSM-Studenten ihren weißen Arztkittel gegen eine schwarze Robe mit Hut austauschen, um ihren Abschluss in Southampton landesüblich zu feiern. „Mit dem Bachelor of Medicine erreichen unsere Studenten den klassi-schen englischen Medizinerabschluss, ein akademischer Grad, der nichts mit dem zwischenzeitlich eingeführten Bologna-Bachelor zu tun hat“, unterstreicht Dr. Sontheimer.

Ein darauf folgendes „Foundation Year“, welches bereits zur Facharztausbildung zählt und ent-sprechend vergütet wird, dient der Einführung in die Facharztweiterbildung und Spezialisierung. Es führt zur englischen Full Registration, die gleichzeitig in Europa zur selbständigen Ausübung des ärztlichen Berufes berechtigt. In Deutschland kann nach europäischem Recht damit die Vollapprobation beantragt werden. Die Gesundheit Nordhessen wird ein Programm für das Foundation Year nach dem KSM-Abschluss zusammen mit der zuständigen englischen Behörde, Wessex Deanery, in Kassel anbieten. Im Jahr 2019 werden die ersten Absolventen der Kassel School of Medicine ihre uneingeschränkte Berufserlaubnis als Arzt erhalten.

 
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