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Antibiotic Stewardship am Klinikum Kassel

Kassel, 19. September 2012. Penicillin und mittlerweile eine Vielzahl anderer so genannter Antiinfektiva helfen seit rund 70 Jahren lebensbedrohliche Infektionen und Erkrankungen zu bekämpfen. Doch schon in seiner Nobelpreis-Rede im Jahr 1945 warnte Alexander Fleming, der Entdecker des Penicillins, vor Resistenzen. Er wies darauf hin, dass sich „überlebende“ Mikroben leicht anpassen könnten und das Medikament so unwirksam würde.

Er sollte recht behalten. Die Forschung im Bereich der Antiinfektiva hält nicht mit der Entwicklung der Resistenzen mit. Als Reaktion auf das zunehmende Problem der Antibiotikaresistenzen hat das Klinikum Kassel als erstes Krankenhaus in Hessen ein Spezialistenteam unter der Leitung eines zertifizierten ABS-Experten gebildet, das Ärzte beim zielgerichteten und schonenden Einsatz von Antibiotika berät. Im so genannten ABS (Antibiotic Stewardship) arbeiten Apotheker, Infektiologen, Hygieniker und Mikrobiologen eng zusammen.

„Antibiotic Stewardship“ bedeutet so viel wie verantwortungsvolle Antibiotikagabe. „Am Anfang unserer Aufgabe steht die Optimierung der Diagnostik. So können wir bei der Verordnung von Antiinfektiva von breit zu gezielt kommen“, sagt Dr. Marcus Thomé, Leiter des ABS-Teams. Eine schnelle Diagnostik helfe dabei, frühzeitig nebenwirkungsärmere, zielgerichtete Wirkstoffe auszusuchen, die anstelle von Breitbandantibiotika gegeben werden können, erklärt er. Dr. Thomé ist Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie und hat sich zum ABS-Experten fortgebildet. Neben ihm gehören Katja Linge, Leiterin des Zentralbereichs Apotheke der Gesundheit Nordhessen, Prof. Dr. Frank Schuppert, Direktor der Medizinischen Klinik I am Klinikum Kassel (u.a. zuständig für Infektiologie) und die Krankenhaushygienikerin Dr. Christiane Feldmann dem ABS-Team an.

Die Aufgabe des ABS beschreibt Dr. Thomé in erster Linie als Beratungsleistung für die Ärzte am Klinikum Kassel. Sein Team steht für individuelle Abstimmungen zur Verfügung. Es erarbeitet außerdem Schulungsprogramme und Standards, die bei schnellen Entschei-dungen helfen können. Darüber hinaus soll ein Antibiotikaleitfaden, in dem Grundsätze zur kalkulierten Therapie sowie wesentliche Nebenwirkungspotenziale kompakt zusammengefasst sind, entwickelt werden. Er wird als Hilfe für schnelle Entscheidungen, zum Beispiel im Nachtdienst, dienen.

In der Pilotphase betreut das ABS-Team verschiedene Intensivstationen, die Herzchirurgie sowie die Zentrale Notaufnahme am Klinikum Kassel. Läuft das Projekt erfolgreich, wird es auf alle Kliniken der GNH ausgeweitet.

Das ABS-Team fungiert als Lotse im Medikamentendschungel. Denn letztlich entscheidet jeweils der behandelnde Arzt, welches Medikament er verordnet. „Wir nennen den Ärzten weniger Präparate als üblich, die jedoch zielgerichteter sind“, erklärt der Mikrobiologe. So kann ein Patient, der nach einer Operation mit einem passgenauen Antibiotikum behandelt wird, meist schneller nach Hause. Außerdem zeigt er weniger Nebenwirkungen wie zum Beispiel Durchfall.

Um die Antibiotikaempfehlungen auszusprechen, sind die genaue Kenntnis der Erkrankung sowie das Wissen um die zu bekämpfenden Erreger wichtig. Daneben spielt der Patient selbst eine zentrale Rolle: Geschlecht, Gewicht, Alter – alle diese Faktoren müssten bei der Dosierung des Antibiotikums noch stärker berücksichtigt werden als bisher, erläutert Dr. Thomé.

Die individuelle Rücksprache mit dem Labor und der Apotheke ist für die behandelnden Ärzte eine wertvolle Hilfestellung. „Die Kooperation mit dem ABS-Team schließt die Lücke zwischen Labor und Klinik. Dr. Thomé unterstützt Intensivmediziner durch labormedizinische Befunde und mikrobiologische Bewertungen. In der Diskussion am Krankenbett wird der Zustand eines Patienten in die Bewertung der Hinweise auf eine Infektion mit einbezogen. So kann die Integration von klinischen und technischen Befunden zu einer gezielteren Diagnostik und Therapie und damit zu einer erfolgreicheren Intensivtherapie schwerst kranker Menschen beitragen. Die Erfahrungen der ersten Monate sind sehr ermutigend“, meint Dr. habil. Markus Gehling, Leiter der chirurgischen Intensivstation 1 am Klinikum Kassel.

Das ABS führt nicht zwangsläufig zu günstigeren Medikamenten oder niedrigeren Dosen. Individualisierung ist das Stichwort. Wenn ein teures Medikament oder eine höhere Dosis für einen bestimmten Patienten in einem kurzen Zeitraum den Heilungsprozess beschleunigt, ist die Behandlung schonender und rationaler als sonst üblich. Konsequent angewendet spart ABS somit auch Kosten im Gesundheitssystem ein, vor allem aber verhindert es Resistenzen und trägt zur schnelleren Genesung der Patienten bei.  

 
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