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Neue Hilfe bei Stuhlinkontinenz

Kassel, 6. Juli 2012. Jeder zwanzigste Bürger in den Industrienationen ist heute bereits von Stuhlinkontinenz betroffen. In den nächsten Jahrzehnten ist eine deutliche Zunahme von Patienten mit diesem Krankheitsbild zu erwarten. „Der Anteil stuhlinkontinenter Patienten nimmt mit dem Alter zu. Außerdem sind Frauen öfter betroffen, vor allem, wenn sie mehrere Geburten, einen Dammschnitt oder eine Gebärmutter-Operation hatten. Des Weiteren bilden mehrfache Operationen im Afterbereich das Risiko einer Stuhlinkontinenz. Die Ergebnisse der wiederherstellenden Eingriffe am Schließmuskel haben bisher leider meistens enttäuscht“, erläutert Prof. Dr. Jürgen Faß, Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Kassel.

In seiner Klinik wird die so genannte Sakralnervenstimulation (SNS) für diese Patienten angeboten. Bei dieser innovativen Methode gibt ein kleines implantiertes Gerät – eine Art Schrittmacher – schwache elektrische Impulse an die Nerven im Bereich des Kreuzbeins ab. Diese Nerven steuern die Funktion des analen Schließmuskels und werden durch die Neurostimulation unterstützt.

„Die Inkontinenzpatienten sind in ihrem Lebensumfeld stark eingeschränkt“, erläutert der Leitende Oberarzt der Klinik Dr. Muneer Deeb. Er berichtet von einer älteren Patientin, die sich selbst Hausarrest auferlegt hatte, kaum soziale Kontakte pflegte. „Diese Patientin ist dank der Sakralnervenstimulation wieder kontinent. Sie geht jetzt auf ihre erste Weltreise.“ Grundsätzlich sei die SNS für Patienten mit Stuhlinkontinenz, Harninkontinenz und chronischer Obstipation (Verstopfung) geeignet, erläutert der Oberarzt. Je nach Schweregrad der Inkontinenz könnten die Symptome deutlich verbessert werden oder sogar ganz verschwinden.

Einen wesentlichen Vorteil der SNS gegenüber anderen Operationsmethoden sieht der Chirurg darin, dass sie problemlos rückgängig gemacht werden könne. „Wenn das Gerät nicht die gewünschte Wirkung erzielt, kann es leicht wieder entfernt werden“, sagt er.

Um die Wirkung der SNS zu testen, muss der Patient eine Woche lang ein Stuhltagebuch führen. Dann implantiert der Arzt in einem kleinen, risikoarmen Eingriff unter Vollnarkose eine Elektrode an den Sakralnerven, die mit einem externen Testgerät verbunden wird. Der Patient testet nun die Wirkung des Gerätes zwei Wochen lang und führt weiter Stuhltagebuch. Hat die Methode keinen messbaren Erfolg, wird die Sonde in einem weiteren kleinen Eingriff entfernt. Registrieren die Patienten eine deutliche Verbesserung, verbindet der Arzt in einer zweiten Operation die Sonde mit einem permanenten Implantat, das oberhalb des Gesäßes eingesetzt wird. Es ist nicht zu sehen, stört nicht, ist von außen einstellbar und erhält nach zirka fünf bis neun Jahren eine neue Batterie.

Der Krankenhausaufenthalt dauert insgesamt nur sechs Tage. Aber er kann für die Lebensqualität entscheidend sein. „Letztes Jahr haben wir 20 Patienten operiert, von denen 80 Prozent deutlich von dem Gerät profitiert haben“, berichtet Dr. Deeb. „Es gibt für die SNS zwar verschiedene Ausschlusskriterien, zum Beispiel eine vorhergehende Bestrahlung oder ein Schließmuskeldefekt über 50 Prozent. Aber die im Beckenbodenzentrum des Klinikum Kassel versammelten Fachdisziplinen können auch Patienten mit komplexen Krankheitsbildern interdisziplinär helfen“, sagt Prof. Faß. Beide Ärzte ermutigen daher Betroffene, aus der Isolation herauszukommen und sich medizinisch helfen zu lassen.

 
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