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Vom unguten Gefühl zum richtigen Handeln

Kassel, 16. März 2012. Kindesmisshandlung kommt auch "in den besten Familien" vor. Doch die Spuren körperlicher Gewalt sind nicht immer eindeutig zu identifizieren. Gerade Ärzte stehen vor einer großen Verantwortung, weil sie häufig die einzigen außerfamiliären fachlichen Kontakte sind, solange das Kind noch nicht in den Kindergarten geht. Da das Thema in ihrer Ausbildung wenig Raum einnimmt, bietet die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung (DGfPI) nun schon zum zehnten Mal in Folge eine bundesweit einmalige Fortbildung für Ärzte an. Die diesjährige Tagung findet vom 16. bis 17. März im Klinikum Kassel statt und wird von der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen unterstützt. Stefan Grüttner, Hessischer Sozialminister, ist Schirmherr und eröffnete heute die Jubiläumsveranstaltung.

"Studien zeigen, dass Kindesmisshandlung häufig ist, von Ärzten aber zu selten diagnostiziert wird. Was bleibt, ist ein ungutes Gefühl, wenn Ärzte Kinder behandeln, die möglicherweise betroffen sind.", sagt Dr. Bernd Herrmann vom Klinikum Kassel, der die Veranstaltung jedes Jahr organisiert. "Wir wollen helfen, dass die Ärzte ihre Unsicherheiten abbauen und von einem Verdacht zu gesicherten Fakten gelangen können. Deshalb unterstützen wir die Veranstaltung auch in diesem Jahr gerne", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen. Auf der Fortbildung wird das gesamte Spektrum körperlicher Befunde bei misshandelten und sexuell missbrauchten Kindern vorgestellt. "Die Ärzte sollen lernen, mit geschultem Blick die Signale bei den Kindern zu erkennen und dann besonnen zu handeln", sagt Dr. Herrmann.

 
Mit dem Bundeskinderschutzgesetz, das im Januar 2012 in Kraft getreten ist, wird die Verantwortung der Ärzte beim Thema Kinderschutz weiter verankert. Sie sollen handeln, wenn sie Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung feststellen und sind auch befugt, das Jugendamt zu informieren. "Der Mediziner muss wissen, ob die blauen Flecken und die Begründung 'vom Wickeltisch' gerollt zusammenpassen oder nicht", so Sozialminister Grüttner. "Diese Fortbildung hat in den letzten Jahren größere Handlungssicherheit in die Arztpraxen gebracht. Deshalb freue ich mich darüber, die Jubiläumsveranstaltung eröffnen zu dürfen."

"Obwohl das Thema in der Ausbildung noch immer nur im Bereich der Rechtsmedizin vorkommt, hat sich in den letzten Jahren im medizinischen Kinderschutz vieles verbessert", sagt Dr. Herrmann. 2008 erschienen im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie- und Jugendmedizin umfassende Leitlinien zum Kinderschutz. Außerdem wurde in Kassel die erste wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Kinderschutz in der Medizin (AG KiM) gegründet. "Ein Meilenstein ist der sogenannte Kinderschutzgruppen-Leitfaden für den Kinderschutz an Kliniken, den die AG KiM in 2010 erarbeitet hat", so Dr. Herrmann weiter. Kinderschutzgruppen sind interdisziplinäre Teams aus Ärzten, Vertretern des Sozialdienstes, der Pflege und andere Berufsgruppen. Mittlerweile existieren etwa 40 solcher Gruppen an Kliniken in Deutschland.

Seit der ersten Fortbildung "Medizinische Diagnostik bei Kindesmisshandlung" in 2003 wurden rund 800 Kinderärzte, Kinderchirurgen, Frauenärzte und Rechtsmediziner aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Italien in Kassel ausgebildet. Sie ist das erste und bisher einzige strukturierte Ausbildungsangebot für medizinische Diagnostik und Intervention.

 

 
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