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Stammzelltransplantation bei krebskranken Kindern

 

Kassel, 15. November 2010. Bei schweren Krebserkrankungen hat manchmal nur eine Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzelltransplantation Aussicht auf Heilungserfolg. Das Klinikum Kassel arbeitet schon lange bei Erwachsenen mit dieser Behandlungsmethode. Seit diesem Herbst bietet Privat-Dozentin Dr. Michaela Nathrath, Direktorin der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, die Transplantation von körpereigenen (autologen) Blutstammzellen auch bei Kindern und Jugendlichen an. PD Dr. Nathrath hat bereits langjährige Erfahrung mit dieser Therapie an ihrer früheren Arbeitsstätte in der Kinderklinik der TU München gesammelt. Davon profitieren nun die jungen Krebspatienten in Nordhessen. Anfang November wurde der erste Patient, ein 17-jähriger Schüler aus dem Landkreis Kassel, nach Hause entlassen.

Die Blutstammzelltransplantation benötigen Patienten, die eine besonders starke Chemotherapie bekommen sollen. „Vereinfacht kann man sagen, wenn ein bisschen Chemotherapie eine kleine Wirkung zeigt, kann viel Chemotherapie viel helfen“, erklärt PD Dr. Nathrath. In der Kinderonkologie setze man diese Therapie beispielsweise bei einem Rückfall eines Morbus Hodgkin, also einem Lymphdrüsenkrebs, oder bei einem nur im Kindesalter vorkommenden Tumor, dem Neuroblastom, ein, erklärt die Kinderonkologin.

Die Hochdosis-Chemotherapie würde ohne besondere Schutzmaßnahmen nicht nur die Krebszellen zerstören, sondern auch die Blutbildung dauerhaft schädigen. Aus diesem Grund werden den Patienten zunächst eigene Blutstammzellen entnommen und außerhalb des Körpers gelagert. Sobald die Chemotherapie aus dem Körper wieder ausgeschieden worden ist, gibt man die Stammzellen zurück. Diese Zellen ermöglichen dann die Wiederaufnahme der Blutbildung im Knochenmark.

Der 17-jährige Lucas aus dem Kasseler Umland hat die Behandlung gerade als erster jugendlicher Patient in Nordhessen durchlaufen. Er leidet an einem Morbus Hodgkin, der bereits zwei Mal zurückgekehrt ist. Seit eineinhalb Jahren befindet er sich daher mit kurzen Unterbrechungen im Krankenhaus. Dank der Hochdosis-Chemotherapie hofft  Lucas nun auf dauerhafte Heilung. Etwa zweieinhalb Wochen nach der Stammzelltransplantation durfte er wieder nach Hause gehen. „Ich fühle mich wieder ganz wohl“, sagte er 17 Tage nach der Blutstammzelltransplantation.

Mehr Plätze für Krebspatienten

Auch aus der Medizinischen Klinik IV (Hämatologie, Onkologie und Immunologie), wo Prof. Dr. Martin Wolf die autologe Stammzelltransplantation bereits seit mehreren Jahren anbietet, gibt es Neues: Im  Zuge der Baumaßnahmen im Klinikum Kassel hat sich dort die Bettenzahl von 42 auf 48 vergrößert. In den neuen Zimmern sind infektionsgefährdete Patienten zum Beispiel nach einer Hochdosis-Chemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation mit modernster Technik geschützt. Die Zimmer sind durch eine Schleuse vom Gang getrennt. Ein spezielles Luftfilter-System, das mit Überdruck arbeitet, verhindert das Eindringen von Keimen.

Hintergrund:

Autologe Stammzelltransplantation

Die Gewinnung von Stammzellen ist eine aufwändige Prozedur. „Damit man überhaupt Blutstammzellen in ausreichendem Maße gewinnen kann, muss man zunächst einen Wachstumsanreiz geben“, sagt PD Dr. Nathrath. Also erhält der Patient im ersten Schritt eine Chemotherapie. Dadurch fallen die Blutzellen ab und die Blutbildung wird angeregt. Diesen Effekt verstärkt man durch die Gabe eines Wachstumsfaktors. Dann werden so viele Blutstammzellen gebildet, dass sie nicht nur im Knochenmark, sondern auch im Blut zu finden sind.

„Um festzustellen, ob bereits genug Blutstammzellen abgeschöpft werden können, nimmt unser Zentrallabor unter Leitung von PD Dr. Karl H. Reuner eine Durchflusszytometrie vor, bei der die Menge der Stammzellen im Blut gemessen wird. Wenn die Werte ausreichend sind, kann der Blutspendedienst des DRK mit der Gewinnung der Stammzellen beginnen“, sagt die Ärztin. Ähnlich wie bei der Dialyse läuft Blut aus der Vene über einen Katheter in einen Blutseparator. Die Stammzellen werden gesammelt und das übrige Blut läuft über eine zweite Venenleitung zurück in den Körper. Die gewonnenen Stammzellen werden eingefroren.

Nach weiteren Chemotherapiezyklen kann PD Dr. Michaela Nathrath die Hochdosis-Therapie durchführen. Sie dauert etwa eine Woche. Dann folgt eine Pause von ein bis zwei Tagen und schließlich gibt man die aufgetauten Blutstammzellen über einen Venenkatheter wieder zurück. Die folgende Zeit ist eine kritische Phase, weil der Patient keine Immunabwehr besitzt. Er muss daher in dieser Zeit vor Infektionsherden besonders geschützt sein. Sobald sich anschließend ausreichend neue Blutzellen gebildet haben und der Patient sich wohlfühlt, ist die stationäre Behandlung abgeschlossen.

 
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