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Hilfe bei tiefgreifenden Knorpelschäden

Bad Arolsen, 10. November 2008. Zur Behandlung von Knorpel-Schäden am Kniegelenk bietet das Krankenhaus Bad Arolsen neuerdings ein weiteres Verfahren an: die Knorpelzellen-Transplantation mit körpereigenem Gewebe (autologe Chondrozyten-Transplantation, ACT). Dabei werden Knorpelzellen des Patienten entnommen, im Labor vermehrt und an der defekten Stelle wieder eingesetzt. Diese Therapie ist bei Patienten bis zu einem Alter von ca. 50 Jahren möglich, die örtliche begrenzte Knorpeldefekte haben.

Gelenkknorpel besteht aus Knorpelzellen, den Chondrozyten. An den Gelenken schützen die Knorpel-Überzüge die Knochen vor Abrieb, der bei jeder Bewegung entsteht. Da sich Knorpel nur in begrenzten Umfang selbst wieder aufbaut, verursachen Verletzungen am Knorpel durch Stürze oder Überbeanspruchung bleibende Schäden. Mit der Knorpelzellen-Transplantation sollen diese behoben werden, um das Fortschreiten von Knorpelschäden zu verlangsamen, Schmerzen zu beseitigen und den Einsatz einer Kniegelenksprothese zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. Rund 15 Patienten hat Dr. Peter Wotzlaw, Chefarzt der Chirurgischen Abteilung im Krankenhaus Bad Arolsen, bisher mit dem neuen Verfahren behandelt und sehr gute Erfahrungen gemacht: „Alle Patienten sind schmerzfrei. Bei einem Patienten wurde wegen unklarer Beschwerden eine Kontrollarthroskope durchgeführt. Diese zeigte jedoch ein regelrecht eingeheiltes Knorpeltransplantat. Die Beschwerden hatten andere Ursachen.“

Für die autologe Chondrozyten-Transplantation sind zwei Eingriffe erforderlich: Zunächst werden bei einer ambulanten Gelenkspielung zwei Knorpelzylinder aus einem nicht geschädigten Bereich entnommen, erläutert Dr. Wotzlaw. In einem Speziallabor werden sie etwa drei Wochen lang vermehrt. Im zweiten Schritt erfolgt die Transplantation in das Kniegelenk, was mit einem drei- bis fünftägigen stationären Aufenthalt verbunden ist. Bei dem Eingriff säubert der Operateur zunächst den Knorpeldefekt. Um den gezüchteten Knorpel aufbringen zu können, wird eine Membran aufgenäht, die mit der patienteneigenen Knorpelzellen-Suspension getränkt ist. Die Nachbehandlung erstreckt sich nach Angaben Dr. Wotzlaws über 12 Wochen: Das Gelenk dürfe teilbelastet werden und müsse täglich mobilisiert werden. „Nach etwa einem halben Jahr ist einer fester, belastungsfähiger Knorpel nachgewachsen, der dem natürlichen Knorpel in der Umgebung entspricht.“

So wie einer 37-jährigen Patientin, die seit 2005 nach einer Umknickverletzung beim Sport Schmerzen im rechten Kniegelenk hatte. Zwei Operationen brachte keine Linderung, vielmehr wurden die Schmerzen immer schlimmer, so dass die 37-Jährige seit dem Sommer 2007 arbeitsunfähig war. Daher stellte sie sich im Februar dieses Jahres im Bad Arolser Krankenhaus vor. Eine Gelenkspiegelung zeigte zwei tiefgreifende Knorpelschäden, die für eine Knorpelzellen-Transplantation geeignet waren. Es wurden 2 Knorpel-Knochen-Zylinder aus einer nicht belasteten Stelle des Gelenkes entnommen und zur Knorpelanzüchtung in ein Speziallabor geschickt. Drei Wochen später wurde der angezüchtete Knorpel an den zwei Defekten eingepflanzt. Nach einigen Tagen stationären Aufenthaltes folgte Anfang April die ambulante Nachbehandlung, wobei die Patientin das Bein über sechs Wochen teilweise belasten konnte und täglich mit einer elektrischen Bewegungsschiene behandelt wurde. Inzwischen ist die Patientin schmerzfrei und seit Mitte August wieder voll arbeitsfähig.

Weil mit zunehmenden Alter die Vitalität des Knorpels nachlässt, kommt das Verfahren in der Regel bei Menschen bis zu einem Alter von 50 Jahren zum Einsatz, deren Menisken und Knochenbänder außerdem intakt sein sollten. Möglich ist nach den Worten Dr. Wotzlaws die Behandlung zudem nur bei tiefgreifenden Knorpeldefekten, die örtlich begrenzt sind, also nicht bei großflächigem Gelenkverschleiß. Bei Erkrankung des gesamten Gelenkes würde sich das transplantierte Gewebe zu schnell abnutzen.

Die Chirurgen im Krankenhaus Bad Arolsen bieten verschiedene Behandlungen bei Knorpelschäden an, je nach deren Art und Ausprägung. Dr. Wotzlaw nennt beispielsweise die Mikrofrakturierung für die Behandlung sehr kleiner Knorpeldefekten.  Dabei wird der Knochen unter dem Knorpel etwas aufgebrochen, so dass aus dem Knochenmark Ersatzknorpel wächst. Dieser ist jedoch nicht so belastbar wie der ursprüngliche Knorpel und kann daher nur kleine Knorpeldefekte ausgleichen.

 

 
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