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Kliniken inzwischen selbst Patienten

Kassel, 9. September 2008. Mit einer „Denkpause für gute Krankenhäuser“ haben heute Beschäftigte der sechs Kliniken der Gesundheit Holding auf die schwierige Finanzlage der Krankenhäuser aufmerksam gemacht. Sie beteiligten sich mit der Denkpause und einem symbolischen Behandlungsstopp an der hessenweiten Aktionswoche für eine bessere Krankenhausfinanzierung, die unter dem Motto „Qualität statt Spardiät – gute Kliniken für Hessen“ steht. „Gute Patientenversorgung erhalten, Krankenhausfinanzierung verbessern“, heißt es seit gestern auch auf großen roten Banner, die anlässlich der Denkpause an den sechs Krankenhäusern der Gesundheit Nordhessen aufgehängt wurden.

Die Kampagne wird getragen von insgesamt zehn Institutionen, darunter Hessische Krankenhausgesellschaft, Hessischer Städtetag und Landkreistag, Landesärztekammer, verdi und Marburger Bund. Sie kämpfen gemeinsam für eine bessere Krankenhausfinanzierung, um auch künftig die hochwertige Qualität der medizinischen und pflegerischen Versorgung in den Kliniken sicherzustellen. Krankenhäuser können ihre Preise nicht wie andere Unternehmen erhöhen, vielmehr dürfen ihre Budgets in diesem Jahr nur um 0,64 Prozent steigen. Für 2009 wurde die Steigerungsrate gerade auf 1,41 Prozent festgelegt. Demgegenüber stehen für die beiden Jahre Personalkostensteigerungen von fast acht Prozent, hinzu kommen steigende Energie- und Lebensmittelkosten. Für die Gesundheit Nordhessen mit ihren 4600 Beschäftigten und 360 Auszubildenden schlagen allein die Tarifabschlüsse in den Jahren 2008/2009 mit fast zwölf Millionen Euro zusätzlichen Kosten zu Buche.

Dieses System könne nicht funktionieren. Vielmehr seien die Krankenhäuser inzwischen selbst zu Patienten geworden und benötigten dringend Hilfe, so Birgit Dilchert, Personalvorstand der Gesundheit Nordhessen und Arbeitsdirektorin des Klinikums, vor rund 200 Beschäftigten am Haupteingang des Klinikums. Wie ernst die Lage der Kliniken sei, zeige sich auch daran, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich gemeinsam für eine ausreichende und verlässliche Kran-kenhausfinanzierung stark machten. Denn: „Hochwertige Patientenversorgung und zufriedenes Krankenhauspersonal sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Das eine geht nicht ohne das andere.“
Die Beschäftigten klagten zu Recht über die zunehmende Arbeitsbelastung, bekräftigte Konzernbetriebsratsvorsitzender Matthias Dippel bei der „Denkpause“. Er warnte vor einem erneuten Pflegenotstand wie vor 20 Jahren, wenn politisch nicht gegengesteuert werde. Eine ganzheitliche, patientenzentrierte und individuelle Betreuung wäre dann nicht mehr möglich.

„Die Zitrone ist ausgequetscht“, sagte Manfred Schweitzer, Geschäftsführer des Krankenhauses Bad Arolsen. „Wir arbeiten seit Jahren daran, die Strukturen und Arbeitsabläufe weiter zu verbessern. Aber nun sind die Potenziale ausgereizt und die Politik ist gefordert, die Krankenhausfinanzierung grundsätzlich auf andere Füße zu stellen.“

„Es ist unsere Aufgabe, Menschenleben zu retten. Aber jetzt kämpfen wir auch um die Rettung unserer Krankenhäuser und eine weiterhin hochwertige Versorgung der Bevölkerung“, sagte Kreiskliniken-Geschäftsführer Klaus Herrmann in Hofgeismar. „Wir fordern: Weg mit dem Deckel, Finanzierung der Tariflohnsteigerungen und medizinischer Investitionen sowie einen Ausgleich für steigende Energie- und Sachkosten.“
Wenn sich an der Finanzierung der Kliniken nicht grundsätzlicht etwas ändere, drohten sie auszubluten, betonte Kreisklinken-Pflegedirektor Peter Wieddekind. Der Gesetzgeber müsse handeln, um Arbeitsplatzabbau, eine nicht mehr zumutbare Arbeitsdichte für die Beschäftigten und längere Wartelisten für die Patienten zu verhindern.

Betriebsrat Falk Meier, Aufsichtsratsmitglied der Kreiskliniken Kassel, sagte in Helmarshausen, eine Patientenversorgung auf hohem Niveau sei an eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit geknüpft. Falls der Gesetzgeber nicht endlich handele, drohten allerdings statt dessen Personalabbau und eine noch stärkere Arbeitsbelastung der Ärzte und Pflegekräfte. Meier: „Das würde sich künftig auch auf die Patientenversorgung negativ auswirken.

Der Vorstand der Gesundheit Nordhessen war bereits im Juni mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden, Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen, und dem Konzernbetriebsratsvorsitzenden  Dippel nach Berlin gereist, um dort im Gespräch mit den nordhessischen Bundestagsabgeordneten die dramatische Finanzlage der Kliniken zu erörtern. In der Folge arbeiteten drei Kasseler Bundestagsabgeordnete einen Tag auf einer Station mit, um sich selbst einen Eindruck vom Arbeitsalltag zu verschaffen.

Am Mittwoch, 10. September, 14 Uhr, macht eine Bettenstafette durch Hessen Station auf dem Kasseler Königsplatz, an der sich auch die Kliniken der Gesundheit Nordhessen beteiligen. Bundesweiter Höhepunkt der Kampagne wird eine Großdemonstration am 25. September in Berlin sein.

 

 
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