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Bild: Gesundheitsforum

 

2. Kasseler Gesundheitsforum

Am Gesundheitsfonds scheiden sich die Geister

Um ein besonders komplexes Thema der Gesundheitswirtschaft ging es bei der 2. Auflage des Kasseler Gesundheitsforums im November 2008: die Finanzierung des Gesundheitswesens, insbesondere den 2009 startenden Gesundheitsfonds. In den Räumen der E.ON Mitte AG folgten an die 200 Akteure des nordhessischen Gesundheitswesens - Mediziner, Krankenhausmanager, Krankenkassenvertreter, Politiker und Wirtschaftsvertreter – den fachkundigen, aber gleichzeitig kurzweiligen Vorträgen der hochkarätigen Referenten. Einig waren sich alle Redner in der Sorge, dass das neue System im Jahr 2009 noch etliche Unwägbarkeiten mit sich bringe, die eine verlässliche Finanzplanung für die Beteiligten derzeit erschwere, wenn nicht unmöglich mache.

Ab Januar 2009 wird die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung neu organisiert. Dann gilt für alle Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung der gleiche Beitragssatz, der auf 15,5 Prozent festgelegt wurde. Die Beiträge fließen zusammen mit Steuermitteln in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten pro Versichertem eine Pauschale, wobei je nach Alter, Geschlecht und Erkrankung noch Zu- bzw. Abschläge gezahlt werden.

Der einheitliche Beitragssatz war einer der wesentlichen Kritikpunkte beim 2. Kasseler Gesundheitsforum. Prof. Dr. Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK monierte, den Krankenkassen würde durch die staatliche Preisfestsetzung die existentielle Grundlage genommen, ihre Preise selbst zu gestalten. Ob die aktuell festgelegten 15,5 Prozent etwas mit der Realität zu tun hätten, werde sich erst 2009 zeigen. Mit dem Einheitsbeitrag werde der Wettbewerb der Krankenkassen untereinander beseitigt, meinte auch Prof. Dr. Günter Neubauer, Direktor des Institutes für Gesundheitsökonomik in München, der das viel Bürokratie verursachende System komplett falsch angelegt sieht.

Dass es kein Patentrezept zur Finanzierung der steigenden Kosten gibt, betonte Dr. Rolf Koschorrek, Zahnarzt und Mitglied des Bundestages (CDU): „Wir haben keine eierlegende Wollmilchsau.“ Zwangsläufig sei der Gesundheitsfonds ein Kompromiss innerhalb der Großen Koalition, „aber wir mussten etwas tun.“ Um das hohe Niveau in der Gesundheitsversorgung in Deutschland zu halten, müsse künftig die Eigenverantwortung der Patienten und Leistungserbringer gestärkt werden. Langfristig müsse es für die Politik nachrangig sein, ob die Behandlung eines Patienten ambulant, teilstationär oder stationär erfolge. Dies setze allerdings ganz andere Finanzierungsstrukturen im Gesundheitswesen voraus.

Neben dem einheitlichen Beitragssatz kamen noch etliche andere Änderungen zur Sprache, die zum 1. Januar greifen und deren Folgen noch gar nicht im Detail abzusehen sind. Sie alle wurden nach den Vorträgen in persönlichen Gesprächen ausführlich diskutiert.