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Elternratgeber

Liebe Eltern, im Folgenden finden Sie Informationsblätter zu einigen häufigen Gesundheitsproblemen bei Kindern. Sie ersetzen keinesfalls den Arztbesuch, können Ihnen aber eine Orientierung bieten. Bitte suchen Sie im Zweifelsfall immer Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt auf.

Gehirnerschütterung bei Kindern

Bei Kindern nach einem Unfall mit Stoß gegen den Kopf oder mit Sturz auf den Kopf können in seltenen Fällen - auch nach einiger Zeit der Beschwerdefreiheit - Symptome auftreten, die auf eine Verletzungsfolge mit Einwirkung auf das Gehirn hindeuten (Blutungen unterhalb des Schädelknochens, Schwellung des Gehirns, etc.). Solche Auffälligkeiten müssen Sie zu einer sofortigen Vorstellung Ihres Kindes beim Arzt veranlassen.

Einige wichtige Symptome sind hier aufgezählt:

Innerhalb von 24 Stunden nach dem Unfall
  • Bewusstseinseintrübung oder Bewusstlosigkeit,
    verlangsamtes Reagieren: "wie benebelt"
  • fehlende Erweckbarkeit aus dem Schlaf
  • Pupillen (das „Schwarze im Auge“) nicht seitengleich
  • Angabe von Doppelbildern
  • Kopfschmerzen
  • Auffälliger Gang, Torkeln, Muskelschwäche, Fallneigung
  • Ungewöhnliches Verhalten (anhaltendes Schreien, Schläfrigkeit, etc)
  • Blässe, Schwindel, Übelkeit , Erbrechen
  • Krampfanfälle, Zuckungen
Innerhalb von 2 - 3 Tagen nach dem Unfall
  • Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit
  • Zunehmende Verlangsamung im Verhalten, Schläfrigkeit
  • Und alle unter 1. genannten Symptome, die sehr selten auch verzögert und allmählich auftreten können.
Innerhalb 2 - 3 Wochen nach dem Unfall
  • Zunahme des Kopfumfanges, Lücke oder Stufe im Schädel tastbar
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Reizbarkeit, Appetitmangel
  • Auffälliges Verhalten (Spielunlust, Schläfrigkeit, etc.)
  • Anhaltende Kopfschmerzen
Sollten eines oder mehrere solcher Symptome bei Ihrem Kind auftreten oder Ihnen sonstige Besonderheiten nach einer Kopfverletzung auffallen, sollten Sie Ihr Kind sofort bei einem Arzt vorstellen!


Brech- und Durchfallerkrankungen bei Kindern

Wenn bei ihrem Kind eine Durchfallserkrankung oder ein Brechdurchfall aufgetreten ist (andere Namen: Gastroenteritis, Magen-Darm-Grippe), gibt es dagegen keine ursächlich wirkenden Medikamente, aber einige Maßnahmen, die Ihrem Kind helfen, wieder gesund zu werden.
Ganz wichtig ist es dem Kind ständig Flüssigkeit zu geben, damit es nicht austrocknet. Das muss auch (und gerade!) bei Erbrechen geschehen; der Körper nimmt trotz Erbrechen Flüssigkeit auf. Die früher empfohlene Teepause ist heutzutage nicht mehr sinnvoll! Sobald das Erbrechen vorüber ist sollten Sie bald wieder vorsichtig mit Nahrung beginnen (s.u.).

Beachten Sie die folgenden Hinweise:
In den ersten 6 Stunden ausschließlich Elektrolyt (Mineralstofflösung zum Ausgleich der Wasser- und Mineralstoffverluste einsetzen. Die erforderliche Mindestmenge berechnet Ihr Arzt/Ärztin.
Anschließend (2-3 Stunden nach dem letzten Erbrechen) Beginn des Nahrungsaufbaus mit:
  • Zwieback, Toast, Knäckebrot, Salzstangen.
  • geriebener Apfel
  • zerdrückte Banane
  • geriebener Apfel mit zerdrückter Banane und Magerquark
  • gekochte Karotten oder Karottensuppe (500 g passierte Karotten + 500 ml Wasser + 1/2 Teelöffel Salz)
  • Kartoffelbrei ohne Milch und ohne Fett mit gedünsteten Karotten
  • Suppenwürfelbrühe, eventuell mit Reis
Flüssigkeiten lauwarm oder kühl geben um Erbrechen zu vermeiden.

  • Werden diese Nahrungsmittel gut vertragen, kann über einen Zeitraum von 2-3 Tagen allmählich wieder zu normaler Kost zurückgekehrt werden (Fett und schwer Verträgliches zuletzt!)
  • Beachten Sie, dass manche Nährstoffe den Durchfall/Erbrechen verschlimmern können: Vorsichtig mit: Fett! Milch! Eis! Ei! Haushaltszucker! Sauren Säften!
  • Als Getränke sollen Kümmel-, Fenchel- und bei großen Kindern Schwarztee verabreicht werden (mit Elektrolytpulver nach Anweisung oder mit einer Prise Salz und 1 Teelöffel Traubenzucker pro Tasse).
  • Gestillte Säuglinge sollen auf jedenfall weiter gestillt werden. Flaschennahrung kann kurzfristig 1:1 mit Wasser verdünnt werden, der Milchanteil wird innerhalb 1-2 Tagen wieder gesteigert.
Es ist nicht entscheidend, dass der Stuhl schnell wieder fest wird, sondern dass Ihr Kind genug Flüssigkeit erhält !
Bitte suchen Sie am nächsten Tag Ihren Kinderarzt zur Kontrolluntersuchung auf !

Sollte Ihr Kind dennoch:
anhaltend hohes Fieber (über 39,5 ºC) haben, apathisch / teilnahmslos werden; seltenen Augenlidschlag oder trockene, borkige Lippen und Zunge bekommen, oder kein Urin mehr lassen, müssen Sie umgehend wieder einen Arzt, die Arztnotrufzentrale oder eine Kinderklinik aufsuchen, da eine Austrocknung droht.
Auch bei Blut im Stuhl oder erneutem Erbrechen, dass bereits aufgehört hatte, wieder zum Arzt gehen!


Verstopfung, Ursachen und Behandlung

Als Verstopfung (Obstipation) bezeichnet man folgende Probleme mit der Stuhlentleerung:
  • Schmerzhafte Stuhlentleerung
  • Unvermögen, trotz Stuhldrang Stuhl zu entleeren
  • Unvollständige Stuhlentleerung (zu kleine Portionen; führt zu Stau im Enddarm)
  • Seltene Stuhlentleerungen: 4 oder mehr Tage ohne Stuhlentleerung kann als Verstopfung angesehen werden, obwohl dies nicht bei allen Kindern zu Schmerzen führt.
  • Ausnahme: Gestillte Säuglinge jenseits des 2. Lebensmonats entleeren oft nur alle 7 Tage (bis maximal 14 Tage) einen (weichen!) Stuhl.

Gängige Missverständnisse bei der Definition von Verstopfung
Harter Stuhl oder Stuhl von großem Kaliber sind als Normalbefund anzusehen, wenn sie nicht von einem der oben erwähnten Beschwerden begleitet sind.
Säuglinge unter 6 Monaten strengen sich üblicherweise bei der Stuhlentleerung an, ziehen ihre Beine an, stöhnen und bekommen ein rotes Gesicht, sie weinen jedoch nicht. Dies Verhalten sollte daran erinnern, dass eine Stuhlentleerung im Liegen schwierig ist.

Ursachen für Verstopfung
  • Ungenügender Ballaststoffgehalt der Nahrung. Geringe Flüssigkeitszufuhr, Hitze, Reisen, wenig Bewegung.
  • Hoher Anteil an Milch oder Milchprodukten in der Nahrung (Milch versorgt die Kinder mit vielen Kalorien, enthält aber keine Ballaststoffe)
  • Entzündungen und Einrisse (Fissuren) im Schließmuskelbereich.
  • Umgebungsfaktoren (Zeitdruck, Kindergarten, Schule, Reisen)
  • Irritationen und Zwänge in der Lebensphase, in der die Kontrolle über die Schließmuskel erworben wird.
Unabhängig von der auslösenden Ursache setzt sich eine einmal entstandene Verstopfung im Sinne eines Teufelskreises:
Erweiterung des Enddarms -- grosses Stuhlkaliber -- fester Stuhl -- schmerzhafte Entleerung -- Stuhl wird zurückgehalten -- Erweiterung des Enddarms nimmt zu
und weiter fort!

Meist gelingt es den Kindern nicht alleine, die Teufelskreise zu unterbrechen. Sie benötigen unsere Hilfe. Mit Strenge und Bestrafung erreicht man nichts.
Sehr selten sind auch organische Ursachen für eine sehr hartnäckige Verstopfung verantwortlich (z.B. Die Hirschsprung-Krankheit, bei der Teilstücke des Darmes nicht transportieren können und sich der Stuhlgang davor anstaut oder die Unfähigkeit des Schließmuskels, sich zu öffnen bei einer Nervenkrankheit.). In Verdachtsfällen oder bei Therapieversagen empfehlen wir weitergehende Untersuchungen (z. B. Druckmessung) zum Ausschluss derartiger Erkrankungen.

Behandlung der Verstopfung

Ernährung:
Die Umstellung der Ernährung auf eine ballaststoffreiche Kost stellt langfristig die wichtigste Maßnahme dar! Wir empfehlen:
  • Viele Vollkornprodukte (Vollkornbrot, Müsli). Kein Toastbrot, keine weißen Brötchen.
  • Viel Obst, ggf. mit Schale (speziell Pflaumen, Birnen, Äpfel, Melone, Aprikose, Feige). Auch Dörrobst ist günstig.
  • Viel Gemüse (nicht nur gekochte), reichlich Salate, Rohkost.
  • Milch- und Milchprodukte stark reduzieren! (viele Kalorien, keine Ballaststoffe)
  • In manchen Fällen führt auch eine Kuhmilchunverträglichkeit zur Verstopfung (vor allem bei Kindern zwischen 1 und 4 Jahren), weswegen wir in einigen Fällen eine Diagnostik empfehlen, in anderen einen Versuch mit einer 3-4 wöchigen komplett kuhmilcheiweißfreien Diät.
  • Keine Schokolade, wenig Süßigkeiten.
  • Ihr Kind sollte reichlich kalorienfreie Getränke zu sich nehmen (Mineralwasser, Tee, verdünnte Obstsäfte). Morgens 1 Glas Saft auf nüchternen Magen zur Anregung der Darmtätigkeit.
Verhaltenstraining (für Kinder jenseits des 3. Lebensjahres)
2x tägl. nach einer Mahlzeit (Frühstück, Mittagessen) für 10 min. auf dem Töpfchen/der Toilette sitzen, mit Kurzzeitwecker, Bilderbuch, Fußbänkchen. Belohnung, Lob für Erfolg. Evtl. Kalender führen lassen. Das Verhaltenstraining soll bei bestehender Verstopfung Kind und Eltern helfen, sich Zeit zu nehmen ohne Druck aufzubauen. Als reine "Sauberkeitserziehung" ist es nicht mehr zeitgemäß.

Biofeedbacktraining
Bei älteren Kindern kann eine unbewusste Anspannung der Beckenbodenmuskulatur zu einer unvollständigen oder erschwerten Stuhlentleerung führen. Eine Behandlung erfolgt mit der Methode des Biofeedbacktrainings, bei dem die Anspannung und Entspannung mithilfe eines Computers den Kindern sichtbar gemacht wird.

Bauchmassage zur Anregung der Darmtätigkeit
Hierzu können wir Ihnen bei Bedarf weitere Informationen geben und Ihnen diese einfachen Techniken demonstrieren..

Medikamentöse Behandlung
In der Anfangsphase ist meist eine zusätzliche medikamentöse Therapie notwendig, bis sich die Erweiterung des Enddarmes zurückgebildet hat. Abführmittel, die anregend auf die Darmmuskulatur wirken, sind abzulehnen. Im Gegensatz dazu haben die unten angeführten Stuhlaufweichenden Mittel auch längerfristig keinen Gewöhnungseffekt. Wenn sich die zugrunde liegende Störung (Erweiterung des Enddarms, Zurückhalten des Stuhls, Unterdrücken des Entleerungsreizes) gebessert hat, können diese Medikamente ausgeschlichen werden, ohne dass die Verstopfung wieder beginnt.

Zu Beginn Entleerung angestauter Stuhlmassen durch je ein Klysma (auf Sorbitbasis, z. b. Yal) an 2-3 aufeinander folgenden Tagen: (halbe Menge bei Kindern unter 5 J. bzw. 30 ml/10kg).

Beachte: Klistiere und Zäpfchen sollten nur als Notbehelf zu Behebung akuter, mehrtägiger Verstopfung eingesetzt werden.

Keine Manipulationen mit Finger oder Fieberthermometer! Sie können über Verletzungen des Schließmuskels und Schmerzen am Anus die Verstopfung verstärken.

Als Gleitmittel und Stuhlaufweicher Paraffinöl bis zu 30 ml/10kg. Die Dosis muss je nach Wirkung angepasst werden. Gabe 1 Std. vor oder nach den Mahlzeiten, um Vitaminaufnahme nicht zu beeinträchtigen, ggf in Fruchtsäften.

Als Stuhlweichmacher Lactulose, ein nicht verdaubarer Zucker, mit dem bekannten Milchzucker verwandt. Lactulose ist auch in der Dauertherapie völlig unschädlich – hat einen positiven Einfluss auf die Darmflora! Die Wirkung ist von einer ausreichenden Trinkmenge abhängig!

Weizenkleie als Füllmittel (in Joghurt o ä verabreichen). Kleinkinder 5g, Schulkinder 15-30g mit viel Flüssigkeit.

Wichtig ist es, die Therapie und das Training ausreichend lange und konsequent genug durchzuführen, bis Ihr Kind sich an eine normale, schmerzfreie Darmentleerung gewöhnt hat und die Weite des Enddarmes sich wieder normalisiert haben.

Faustregel für die Dauer der Therapie: So lange wie die Verstopfung schon besteht, meist 6-12 Monate!!

Die Therapiemaßnahmen sollten langsam über Wochen ausgeschlichen, nie abrupt abgesetzt werden. Auf eine ballaststoffreiche Ernährung sollte sich die gesamte Familie auf Dauer umstellen. Bei erneuter Verschlechterung frühzeitig reagieren, ggf. sogar ein Klysma verabreichen, um nicht wieder von vorne beginnen zu müssen.

Der Erfolg der Behandlung muss anfangs engmaschig, später in größeren Abständen kontrolliert werden. Dies kann durch Ihre Beobachtungen, eine Klinische Untersuchung und durch eine Ultraschallkontrolle der Weite des Enddarms erfolgen.

Sonderprobleme in Zusammenhang mit Verstopfung
Einrisse des Schließmuskels, Entzündungen im Enddarmbereich Einrisse (Fissuren) und Entzündungen im Schließmuskelbereich führen über die schmerzhafte Stuhlentleerung regelmäßig zu einer hartnäckigen Verstopfung. Umgekehrt führt harter Stuhl häufig zu Einrissen am After. Die Behandlung ist deswegen mehrgleisig:

1. Entscheidend ist die Behandlung der Verstopfung, meist mit Paraffinöl (s.o.).
2. Behandlung der Hautveränderungen:
  • Sitzbäder mit einem Gerbstoffpräparat (Tannosynth®) mindestens 1x pro Tag und nach jedem Stuhlgang.
  • Salbenbehandlung mit Panthenol-Salben
  • Bei bakteriell bedingtem Ekzem (Streptokokken der Gruppe A) antibiotische Behandlung in Tabletten- oder Saftform.
3. Unterstützend kann schmerzlindernde Salbe (z. B. Xylocain Gel ®) vor der Stuhlentleerung aufgetragen werden

Einkoten, Stuhlschmieren
Bei langdauernder Verstopfung kann es durch die Kotballen zu einer Aufweitung des Enddarms, schließlich auch zu einer Verkürzung des Schließmuskels kommen. Stuhl, der teilweise durch Fäulnis zersetzt und flüssig wurde, kann unkontrolliert nach außen entweichen. Kinder mit langdauernder Verstopfung geht häufig auch das Gefühl für die Enddarmfüllung verloren.

Die Behandlung erfolgt durch konsequente, längerfristige Therapie der Verstopfung mittels verhaltenstherapeutischen Techniken, unterstützt durch eine Stuhlweichmachende Therapie (siehe oben). Wichtig ist besonders die anfängliche Entleerung des Enddarms mit Klysmen. Zusätzlich ist bei manchen Patienten ein Biofeed-backtraining sinnvoll.

Beim Stuhlschmieren gilt
Regelmäßige Darmentleerung auf der Toilette verhindert das Stuhlschmieren. Schmieren kann nur bei Stuhlfüllung des Enddarms vorkommen.
Für die Kinder sollten folgende Regeln gelten:
  • "Ich entleere meinen Darm zur rechten Zeit (wenn eine Toilette in der Nähe ist, wenn ausreichend Zeit zur Verfügung steht)."
  • "Ich entleere meinen Darm am rechten Ort (auf der Toilette, auf dem Töpfchen).“
  • "Ich entleere ihn vollständig."
Bitte melden Sie sich bei Ihrer Kinderärztin / Ihrem Kinderarzt,
  • wenn die Therapie nach 2 Wochen nicht zu regelmäßiger Stuhlentleerung (möglichst täglich, maximal alle drei Tage ) führt
  • wenn die Therapie zu Durchfall führt
  • wenn Ihr Kind extreme, anhaltende Schmerzen hat (dann ist eine ärztliche Untersuchung nötig)
  • wenn Sie andere Sorgen oder Fragen haben

Modifiziert nach der Elterninformation der Arbeitsgruppe pädiatrische Gastroenterologie der Klinik für Kinder - und Jugendmedizin des ZKH Links der Weser, Bremen


Dreimonatskoliken – Schreikinder

Jeder kleine Säugling schreit. Wenn Babys schreien, ohne hungrig, überhitzt oder krank zu sein, wird dies als Dreimonatskolik bezeichnet. Bei etwa 10% der jungen Säuglinge kommt so etwas vor. Obwohl niemand die Ursachen genau kennt, scheinen sensible Kinder hierfür empfänglicher zu sein. Die "Koliken" werden nicht durch Fehler im Umgang mit dem Baby hervorgerufen; machen Sie sich also keine Vorwürfe. Natürlich belastet anhaltendes Schreien die Beziehung zwischen Kindern und Eltern, so dass in vielen Fällen eine psychologische Betreuung der Eltern hilfreich ist.

Die Schreiattacken haben meist nichts mit Gasbildung im Darm oder Bauchschmerzen zu tun, auch wenn die Beobachtung des Verhaltens der Kinder daran denken lässt. Die Härte des Bauches erklärt sich dadurch, dass die Kinder zum Schreien ihre Bauchmuskulatur anspannen müssen. Das Anziehen der Beine gehört ebenfalls zu den normalen Bewegungen der Kinder beim Schreien.

Bei wenigen Kindern werden Koliken durch Milcheiweißallergien bedingt. Die einzige Änderung der Ernährung, die in Studien bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten einen Effekt hatte, war eine kuhmilchfreie Kost. Bei gestillten Kindern gelingt dies durch eine Diät der Mutter, sonst durch spezielle Nahrungen (Hydrolysatmilch) ohne intaktes Protein. Lassen Sie sich in diesem Punkt ärztlich beraten und beginnen Sie eine Diät nicht eigenständig.

Umstritten ist die Bedeutung des KISS-Syndroms (Kopfgelenk- induzierte Symmetriestörung). Vermutet werden Schmerzen aus dem Bereich der Halswirbelsäule durch Verschiebungen unter der Geburt. Einige Ärzte wenden manualtherapeutische Verfahren an. Auch wenn dies bei einigen Kindern verblüffende Erfolge gezeigt hat, steht der wissenschaftliche Beweis dieser Theorie aus und allgemeine Empfehlungen werden nicht gegeben.

Das Schreien bessert sich typischerweise ab dem 2. Monat und verschwindet mit dem 4. Monat fast ganz. Auch wenn durch Behandlung das Schreien nie komplett verhindert werden kann, vermindert sich die Zeitdauer des Schreiens durch die unten angeführten Maßnahmen dramatisch. Kinder mit Dreimonatskoliken sind später meist sensibel und sehr aufmerksam für ihre Umgebung.

Achtung!
Schütteln sie nie Ihr Baby, wenn Sie das Schreien nicht mehr ertragen können! Schütteln kann zu schwersten, lebenslangen Behinderungen durch Hirnblutungen führen!! Wenn Sie das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren, verlassen Sie lieber für 5 Minuten das Zimmer, besinnen Sie sich und bedenken die lebenslangen Folgen einer Affekthandlung.
Empfohlene Maßnahmen

1. Schmusen Sie mit Ihrem Kind oder schaukeln es, sobald es schreit.
Eine ruhige, langsame Bewegung ist wichtig. Sie können Ihren Säugling in den ersten 3 bis 4 Monaten nicht verwöhnen. Folgende Möglichkeiten bieten sich an:
  • Schmusen mit dem Kind im Schaukelstuhl
  • Schaukeln des Kindes in einer Wiege
  • Tragen des Kindes in einem Tragetuch.
Ein Spaziergang mit dem Kinderwagen (dies hat den zusätzlichen Vorteil, dass das Kind nicht direkt in Ihr Ohr schreien kann, was Sie wahrscheinlich allein wegen der Lautstärke stresst. Dies können die Kinder spüren.)
Alles andere, was Sie als hilfreich erachten: Ein Beruhigungssauger, ein warmes Bad, eine Massage...

2. Versuchen Sie, Ihr Kind an einen normalen Tag-Nacht-Rhythmus zu gewöhnen.
Falls Ihr Kind tagsüber länger als 3 Stunden ununterbrochen schläft, wecken Sie es sanft auf. So werden die längsten Schlafphasen (über 5 Std.) auf die Nacht verschoben. Tragen Sie Ihr Kind tagsüber ausgiebig, während es nicht schreit, um sein Bedürfnis nach Reizen zu befriedigen. Andererseits benötigt Ihr Kind nicht jedes Mal beim Einschlafen engen Kontakt zu Ihnen. Wenn Ihr Kind müde ist, aber nicht schreit, sollten Sie es auch ohne zu schaukeln in sein Bett legen. So lernt es, selbst in den Schlaf zu finden.

3. Folgende Fütterungsstrategien sind oft hilfreich:
Geben Sie ihrem Kind nicht bei jedem Schreien gleich zu trinken. Bei kleinen Säuglingen benötigt der Magen etwa 2 Std. bis zur Entleerung. Häufigere Fütterungen können Bauchschmerzen durch Überfüllung verursachen (Ausnahme Muttermilchernährung in den ersten 3 Wochen bis zur Bildung einer ausreichenden Milchproduktion). Kinder. die tagsüber sehr häufig gefüttert werden, gewöhnen sich diesen Essrhythmus auch für die Nacht an. Stillende Mütter sollten auf Kaffee, Tee und Cola verzichten.

4. Ruhen Sie sich aus und kümmern Sie sich um sich selbst.
Verausgaben sie sich nicht. Versuchen Sie, tagsüber mindestens einmal zu schlafen. Bitten Sie Ihren Mann bzw. Partner oder Verwandte und Freunde um Hilfe, auch für die älteren Kinder. Nehmen Sie sich, wenn für die Kinder gesorgt ist, Zeit für sich, um den Kopf frei zu bekommen. Sprechen Sie mit anderen über Ihre widersprüchlichen Gefühle. Anhaltendes Schreien kann Jeden auf Dauer zur Verzweiflung treiben.

5. Als letzte Möglichkeit:
Lassen Sie Ihr Kind sich in den Schlaf schreien, falls alle Maßnahmen unter 1. für mehr als 30 Minuten fehlschlagen. Wenn das Kind zu diesem Zeitpunkt nicht hungrig sein kann, sollten Sie das Kind zum Schlafen hinlegen. Bei manchen Kindern gehört Weinen zu den Wegen, in den Schlaf zu finden. Falls das Schreien dann für mehr als 15 Minuten anhält sollte man erneut versuchen, den Säugling zu beruhigen.

6. Vermeiden Sie folgende häufige Fehler:
Falls Sie stillen, beenden Sie dies auf keinen Fall. Ändern Sie die Nahrung eines flaschenmilchernährten Kindes nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Kinderärztin/Ihrem Kinderarzt. Beruhigungsmedikamente sollten vermieden werden. Manipulationen am Darmausgang mit dem Thermometer können zu Verletzungen führen und sollte vermieden werden. Bei Verstopfung sollten Sie einen Kinderarzt oder Kinderärztin konsultieren.

Nehmen Sie sofort Kontakt zu Kinderarzt/Kinderärztin oder Kinderklinik auf, falls
  • Ihnen das Schreien - anders als sonst und noch mehr schmerzbedingt erscheint.
  • Das Schreien über mehr als 3 Stunden andauert.
  • Es Ihnen nicht gelingt, Ihr Kind zu beruhigen.
  • Sie Angst haben, Sie könnten Ihrem Kind etwas antun oder es schütteln.
  • Sie Ihr Kind geschüttelt haben.
Stellen Sie Ihr Kind zu normalen Sprechzeiten beim Kinderarzt / bei der Kinderärztin vor, wenn
  • Ihr Kind mehr als dreimal pro Tag anhaltend schreit wie bei "Koliken".
  • Das Schreien nach dem 3. Monat keine Besserungstendenz zeigt.
  • Gleichzeitig Durchfall, Erbrechen oder Verstopfung auftritt.
  • Ihr Kind nicht an Gewicht zunimmt.
  • Sie von all dem Schreien ausgelaugt sind.
  • Sie andere Fragen oder Sorgen haben.
Bei schwerwiegenden Schreiproblemen gibt es eine weitergehende Betreuung durch die Schreibaby-Ambulanz der Beratungsstelle Verein zur Förderung der Erziehungshilfe in der Wilhelmshöher Allee 32a, Tel. 0561 78449-0.

Die obigen schriftlichen Informationen ersetzen nicht die ärztliche Untersuchung oder das ausführliche Gespräch. Für Eltern, deren Kinder nicht in regelmäßiger Betreuung sind, empfehlen wir:
  • Kontaktaufnahme zu einem niedergelassenen Arzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Ihrer Nähe
  • Ggf. Vorstellung bei einem Spezialisten für Magen-Darm-Erkrankungen im Kindes und Jugendalter. Eine Liste dieser Spezialisten finden Sie unter www.gpge.de/mitglieder.htm

Modifiziert nach der Website der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des ZKH Links der Weser, Bremen
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