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Vorbereitung auf TÜV-Begutachtung

Klinikum strebt Zertifikat als schmerzfreie Klinik an

Kassel, 28.12.05. Im Klinikum Kassel soll möglichst kein Patient mehr an starken Schmerzen leiden. Das Krankenhaus der Maximalversorgung strebt als eines der ersten Häuser in Deutschland eine Zertifizierung als Schmerzfreie Klinik auf der Grundlage des Qualitätsmanagements Schmerztherapie durch den TÜV Rheinland an. Gleichzeitig wird der bundesweit von Experten erarbeitete Standard „Schmerzmanagement in der Pflege“ im Klinikum eingeführt. Denn um die Möglichkeiten der modernen Schmerztherapie auszuschöpfen, ist eine fachübergreifende Zusammenarbeit von Medizinern und Pflegekräften erforderlich.

Mehrere Studien zeigen, dass Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern mehr Schmerzen haben, als es sein müsste. Schmerzen im Krankenhaus sind jedoch kein unvermeidbares Übel. „Wir haben die entsprechenden Werkzeuge, aber sie werden oft falsch eingesetzt oder das Thema Schmerz wird nicht ernst genug genommen“, so Prof. Dr. Michael Tryba, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Klinikum Kassel. Sein Ziel: Für 95 bis 98 Prozent der Patientinnen und Patienten im Klinikum solI gelten, dass sie nicht unter starken Schmerzen leiden. Dabei gilt der Grundsatz: maximal mögliche Schmerzreduktion bei minimalen Nebenwirkungen während der gesamten Behandlung.

In Kooperation mit dem Institut für Forschung in der operativen Medizin (Leiter Prof. Dr. Edmund Neugebauer) an der Universität Witten-Herdecke bereiten das Klinikum Kassel sowie eine Kölner Klinik eine Zertifizierung durch den TÜV Rheinland vor. Das Zertifikat für das Qualitätsmanagement Schmerztherapie, das jeweils drei Jahre gilt, soll zunächst für die operativen Fächer, später für das ganze Klinikum Kassel, das zur Gesundheit Nordhessen Holding AG gehört, erlangt werden.

Die Krankenhausleitung unterstützt nach den Worten von Geschäftsführer Wolfgang Schwarz das Vorhaben. Schmerzen seien nicht nur eine Belastung für die Patientinnen und Patienten. Sie könnten auch zu Komplikationen führen, die Heilung verzögern oder chronisch werden und somit die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig verschlechtern. „Eine effektive Schmerztherapie trägt mit Sicherheit zur Patientenzufriedenheit bei.“

Voraussetzung für eine wirkungsvolle Schmerzbehandlung ist eine systematische Erfassung. Dazu geben die Patientinnen und Patienten anhand einer Skala von 0 bis 10 (0 = kein Schmerz, 10 = stärkster vorstellbarer Schmerz) die Stärke ihrer Schmerzen an. Der Wert wird in eine Schmerzkurve eingetragen. In der Regel sind die Patienten zufrieden, wenn ihr Wert im Ruhezustand unter 4 liegt, weiß Prof. Tryba. Unter Belastung (zum Beispiel husten oder laufen) akzeptierten die Patienten auch höhere Werte. In der Allgemeinchirurgie und der Unfallchirurgie des Klinikums gehört die Dokumentation von Schmerzen seit Dezember zum Standard.

Den Pflegekräften kommt im interdisziplinären Team auf Grund ihres häufigen und engen Kontaktes zu den Patienten eine Schlüsselrolle beim Schmerzmanagement zu. Daher wird im Klinikum derzeit der Expertenstandard „Schmerzmanagement in der Pflege“ eingeführt, den das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege herausgegeben hat und dessen Entwicklung und Umsetzung von einem wissenschaftlichen Team begleitet wird. Der Standard beinhalte drei wesentliche Aspekte, so die Projektleiterin, Diplom-Pflegewirtin Elisabeth Meineke-Wolf: Erstens regelmäßige Fortbildungen zum Thema Schmerzmanagement, zweitens eine systematische Schmerzeinschätzung und deren Dokumentation. Und drittens verbindliche Regelungen, um die vom Arzt angeordnete medikamentöse Schmerzbehandlung zügig einzuleiten oder anzupassen.

Umgesetzt wird das neue Konzept ab Januar in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des Klinikums. Vor jeder Operation erhalten die Patientinnen und Patienten eine Aufklärung über die Schmerztherapie, berichtet der Leitende Oberarzt Dr. Frank Klammer. Nach dem Eingriff werden sie mindestens zwei mal täglich nach ihren Schmerzen befragt und die Angaben dokumentiert. Je nach Art der Operation greifen unterschiedliche Schmerztherapiekonzepte, die individuell an die Bedürfnisse der Patienten angepasst werden. Es gibt verbindliche Vereinbarungen, wann die Schwestern und Pfleger direkt – ohne erneute Anordnung des Arztes – Medikamente verabreichen dürfen. Dadurch wird vermieden, dass der Beginn der Schmerzbehandlung bis zum Eintreffen des Arztes auf Station verzögert wird.

Um die Qualität des Schmerzmanagements zu beurteilen, erfolgte zu Beginn des Projektes eine anonyme Befragung der Patienten auf fünf unfallchirurgischen und allgemeinchirurgischen Stationen des Klinikum Kassel. Im Durchschnitt war der maximale Schmerz innerhalb der ersten zwei Tage nach einer Operation im Ruhestand auf den Wert 2-3 gesunken.„Ganz gut, aber noch nicht optimal“, urteilt Prof. Tryba. Verbesserungsbedarf sieht er zum Beispiel bei Schmerzen unter Belastung.

Die Befragung ergab außerdem, dass 95 Prozent der Patienten mit der Aufklärung über die Schmerztherapie zufrieden waren und 97 Prozent das Klinikum wegen der Schmerztherapie empfehlen würden.

 
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