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ÄRZTE FÜR KINDERSCHUTZ

Bundesweite Fortbildung zu medizinischen Fragen bei Kindesmisshandlung in Kassel

Nach wissenschaftlichen Untersuchungen wird jedes fünfte Mädchen in Deutschland vor Erreichen der Volljährigkeit misshandelt oder missbraucht. Auch fünf bis zehn Prozent der Jungen sind betroffen. Laut polizeilicher Kriminalstatistik gibt es pro Jahr in Deutschland ca. 15.000 sexuelle Missbrauchsfälle von Kindern. Die Dunkelziffer dürfte deutlich darüber liegen.

Haus- und Kinderärzte sind besonders gefordert, da sie häufig die einzigen außerfamiliären fachlichen Kontakte sind, solange das Kind nicht im Kindergarten ist. Inzwischen wird häufig eine Pflicht-Vorsorgeuntersuchung aller Kinder gefordert, um frühzeitig einen Missbrauchsfall erkennen zu können. Dem gegenüber stehen fehlende, bzw. unzureichende Ausbildungsangebote für die medizinisch-diagnostischen Inhalte, gerade im Bereich des Studiums und der ärztlichen Aus- und Weiterbildung. Um diese Lücke zu schließen, veranstalten die Deutsche Gesellschaft gegen Kindesmisshandlung und -vernachlässigung (DGgKV), die Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen und die Kinderklinik im Klinikum Kassel eine in dieser Art in Deutschland einmalige Fortbildung durch. Das Interesse an der zweitägigen, international ausgerichtete Tagung ist groß. Kinderärzte, Kinderchirurgen, Frauenärzte und Rechtsmediziner aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und Italien haben sich angemeldet bzw. in den letzten drei Jahren teilgenommen.

Sexueller Missbrauch, körperliche und seelische Vernachlässigung und Misshandlung sind nach wie vor unabhängig von sozialen Schichten und Bildungsgrad zu finden. Hier aufmerksam zu sein, Signale zu erkennen und besonnen zu handeln, ist Aufgabe jedes Erwachsenen und ganz besonders die Verantwortung aller Berufsgruppen, die mit Kindern zu tun haben. Und vielen Medizinern ist das ungute Gefühl bekannt: Ist dieser Knochenbruch mit einem Sturz vom Wickeltisch erklärbar? Ist dieses Blutergussmuster verdächtig auf Gewalt, Tollpatschigkeit oder auf eine Blutgerinnungsstörung? Können banale Stürze zu schweren Gehirnverletzungen führen? Was bedeutet ein „erweiterter Scheideneingang“?

Um vom „unguten Gefühl“ zu wissenschaftlich gesicherten Fakten zu kommen, wird bei der Fortbildung in Kassel das gesamte Spektrum körperlicher Befunde bei misshandelten Kindern gelehrt. Vom körperlichen Befund zur Diagnose einer Misshandlung zu kommen erfordert gründliche Kenntnisse über typische Misshandlungsverletzungen in Abgrenzung zu Unfallverletzungen.

Um dann von der Diagnose zum tatsächlichen Schutz des Kindes zu gelangen, ist die Zusammenarbeit vieler Berufsgruppen unabdingbar („multiprofessionelle Kooperation“). Auch Mediziner müssen sich Hilfe von Fachleuten vom Jugendamt oder erfahrenen Beratungsstellen, wie dem Kinderschutzbund, holen, um Kindern und Familien aus dem Teufelskreis der Gewalt herauszuhelfen. Diese besondere fachliche Zusammenarbeit zu fördern, ist das besondere Anliegen der DGgKV, die neben Ärzten auch Sozialarbeiter, Pädagogen, Psychologen, Kinderpsychiater, Juristen, Strafermittlungsbehörden, Therapeuten, und alle anderen mit dem Kinderschutz befassten Berufe an einen Tisch bringt, um gemeinsam zum Wohl der Kinder zu handeln. Dieses Engagement der unterschiedlichen Partner unterstützt die Landesvertretung der TK in Hessen und setzt als Mitveranstalter der diesjährigen Tagung ihr langjähriges Engagement im Bereich der Gewaltprävention fort



 
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