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Klinik für Neurochirurgie im Klinikum

Navigator mit Update während der Operation

Ein neues Navigationsgerät, das während der Operation Ultraschallaufnahmen ermöglicht, hat die Klinik für Neurochirurgie im Klinikum Kassel seit kurzem im Einsatz. Dank des intraoperativen Ultraschalls wird es möglich, dass ein Hirntumor so vollständig wie möglich und gleichzeitig schonend operiert werden kann. Außerdem sind jetzt spezielle Gewebeentnahmen aus Hirntumoren machbar (stereotaktische Biopsie), für welche die Kasseler Patientinnen und Patienten bisher bis nach Freiburg fuhren.

In den westlichen Industrieländern tritt ein Hirntumor neu bei einem von 10.000 Einwohnern pro Jahr auf (primärer Hirntumor). Bei mehr als 30.000 Patientinnen und Patienten jährlich, die einen Tumor in anderen Organen haben, treten Tochtergeschwulste (Metastasen) im Gehirn auf (sekundärer Hirntumor). Bei primären Hirntumoren ist die Operation die wichtigste Behandlungsform. Bei Hirnmetastasen spielt bei der Abwägung, ob eine Operation anzuraten ist, auch der Verlauf der Grunderkrankung eine Rolle. Im Klinikum Kassel, das als einziges Krankenhaus in Nordhessen Hirntumore operiert, werden pro Jahr 200 bis 300 Tumore im Gehirn operativ entfernt.

Bei einer Operation wird der Hirntumor ganz oder zumindest so weit wie möglich entfernt. Eine vollständige Entfernung kann sich manchmal schwierig gestalten, wenn der Tumor nahe an lebenswichtigen Bereichen des Gehirns wächst. Umso wichtiger ist eine präzise Navigation. Vor einer Operation werden die digital vorhandenen Daten zur Lage und Ausdehnung des Tumors, die mit Hilfe von Computertomographie und/oder Kernspintomographie gewonnen wurden, in das rechnergestützte Neuro-Navigationsgerät eingegeben, um den Chirurgen sicher durch das Operationsfeld zu führen. „Nach dem Öffnen der harten Hirnhaut kommt es jedoch immer zu einer Verschiebung der Hirnmasse, weil Gehirnflüssigkeit entweicht und der Hirndruck nachlässt“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Deinsberger, Direktor der Klinik für Neurochirurgie im Klinikum Kassel. Das heißt, die Navigationsdaten stimmen nicht mehr auf den Millimeter genau.

Mit Hilfe des neuen Gerätes kann während der Operation durch Ultraschallaufnahmen die Navigation ständig aktualisiert werden. Während des Eingriffs zeigt der Operationscomputer dem Chirurgen somit ohne zeitliche Verzögerung an, wo genau er sich im Operationsgebiet befindet. Prof. Deinsberger: „Dadurch erreichen wir eine noch höhere Präzision und können so viel wie nötig vom Tumor entfernen und gleichzeitig das umgebende Gewebe schonen.“

Die Neurochirurgie des Klinikums ist nach Angaben von Klinikum-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Schwarz Referenzkrankenhaus für das neue Navigationsgerät mit einem Wert von 650 000 Euro, das auch für Operationen an der Wirbelsäule geeignet ist. „Damit bieten wir den Patientinnen und Patienten das Beste, das derzeit auf dem Markt ist.“

Weiterer Vorteil des neuen Gerätes ist die Möglichkeit zur stereotaktischen (punktgenauen) Gewebeentnahme (Biopsie) aus Hirntumoren. Dies erfolgt zum Beispiel, wenn ein Tumor aufgrund seiner Lage inoperabel ist und mit Hilfe einer Gewebeuntersuchung die beste Chemotherapie herausgefunden werden soll. Oder zur Sicherung der Diagnose, wenn es sich anhand der vorliegenden Untersuchungsergebnisse um einen Tumor oder eine entzündliche Veränderung handeln könnte.

Die Biopsie erfolgt in Vollnarkose oder mit örtlicher Betäubung. Wenn Proben aus einem sehr kleinen Tumor oder aus einem besonders tiefliegenden Bereich entnommen werden, kommt ein Rahmen zur Stabilisierung des Kopfes zum Einsatz. Bisher fuhren alle Patientinnen und Patienten des Klinikums, die eine Probe aus einem Hirntumor brauchten, nach Freiburg, wo es einen von zwei Lehrstühlen für stereotaktische Neurochirurgie gibt.

 
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