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Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie Station mit 25 Betten im Klinikum eröffnet

Kassel, 02.10.2006. Die neue Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie im Klinikum Kassel ist komplett: Nachdem Anfang des Jahres die Tagesklinik mit 15 Plätzen eröffnet wurde, konnten im September die ersten Patienten auf der neuen psychosomatischen Station mit 25 Betten aufgenommen werden. Das Klinikum Kassel ist das einzige Akutkrankenhaus in Nordhessen, das über eine psychosomatische Klinik verfügt. Nach dem Wunsch des Sozialministeriums sollen hessenweit nur drei weitere Krankenhäuser der Maximalversorgung psychosomatische Stationen erhalten.

Die Tagesklinik und die neue Station sind mitten im Klinikumgelände, im Chirurgischen Zentrum (Haus 1) angesiedelt. Diese enge Nachbarschaft zu den somatischen Fächern kann, so Klinikum-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Schwarz, als programmatisch für das Konzept der psychosomatischen Abteilung angesehen werden: „Wir wollen eine Psychosomatik im Klinikum Kassel anbieten, die nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich eng mit den anderen Disziplinen verzahnt ist.“

Sowohl in der Tagesklinik als auch auf der Station werden Patientinnen und Patienten behandelt, bei denen körperliche Symptome durch psychische Konflikte verursacht werden oder mit seelischen Belastungen in Zusammenhang stehen. Darüber hinaus kann eine Behandlung dort auch dann erforderlich werden, wenn Menschen aufgrund schwerer körperlicher Erkrankungen psychisch in eine Krise geraten.

Die Behandlung von Patienten mit so genannten somatoformen Störungen stellt in der neuen Klinik einen Schwerpunkt dar. Darunter versteht man multiple, wiederholt auftretende und häufig wechselnde Beschwerden und Schmerzen, die in der Regel schon über zwei Jahre bestehen und die häufige körperliche Untersuchungen notwendig gemacht haben. Sehr oft haben diese Patienten eine sehr lange Krankheitsgeschichte und eine regelrechte Odyssee bei unterschiedlichen Ärzten hinter sich, ohne dass eine befriedigende Linderung der Beschwerden erreicht werden konnte. Speziell für diese Patientengruppe gab es bislang im Klinikum Kassel kein adäquates Behandlungsangebot, so Klinikdirektor Dr. Johannes Kipp, der gleichzeitig Direktor des Ludwig-Noll-Krankenhauses für Psychiatrie und Psychotherapie ist.

Ein weiterer Schwerpunkt wird – vorwiegend für den stationären Bereich - die Therapie von Essstörungen, insbesondere der Anorexie (Magersucht), sein. Als dritter Schwerpunkt richtet sich das Angebot der neuen Klinik an Patienten, bei denen zusätzlich oder auch ursächlich zur körperlichen Problematik depressive Symptome bestehen, die mit einem veränderten Körper- und Schmerzerleben und auch Ängsten einhergehen.

Grundlage des Behandlungskonzeptes ist, dass psychosomatische Störungen immer zwei Anteile haben, erläutert der Leitende Oberarzt der Klinik, Dr. Michael Groß: Eine seelische, zumeist unbewusste Konfliktsituation und körperliche und seelische Reaktionen darauf. Diese Reaktionen sind sichtbare Symptome, die manchmal auch den Charakter eines missglückten Lösungsversuches haben. Als Beispiel hierfür kann die Lösung eines Verselbständigungs-/Abhängigkeitskonflikts durch eine Magersucht angeführt werden: Die Gewichtsabnahme ist Ausdruck der eigenen Autonomie. Die gleichzeitig bestehende Trennungsangst tritt durch die große Sorge der Familie um die Patientin in den Hintergrund. Hauterkrankungen, zum Beispiel eine Neurodermitis, können sich entwickeln, wenn (körperliche) Nähe zu anderen Menschen ersehnt und gleichzeitig gefürchtet wird. Wenn Wut aus Angst vor Strafe nicht gezeigt werden darf, können über die damit einhergehende Muskelanspannung Rückenschmerzen erzeugt werden und auch nachweisbare Schäden der Wirbelsäule die Folge sein.

Entsprechend den beiden Anteilen von psychosomatischen Störungen muss auch das Therapiekonzept zwei Pfeiler haben. Neben die Bearbeitung der verursachenden seelischen Konflikte durch eine aufdeckende, psychoanalytisch orientierte Psychotherapie (einzeln und in der Gruppe), ist ein Symptom-orientiertes Handeln mittels Körperarbeit, Lernen von Entspannungstechniken und Aufklärung zum Lernen erfolgreicherer Bewältigungsformen usw. notwendig. Neben Ärzten, Psychologen und Pflegekräften arbeiten auch Kunst- und Bewegungstherapeuten in dem interdisziplinären Team mit. Eine Linderung der Beschwerden lässt sich in der Regel erreichen, zur weiteren Stabilisierung ist aber eine ambulante Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten angeraten.

Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie im Klinikum Kassel,
Tagesklinik: Tel.: 0561/980-3838,
Station: Tel.: 0561/980-3820,
Email: michael.gross@klinikum-kassel.de

 
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